Merkel-Gegner könnten Peter Altmaier unterschätzen

Wirtschaftsminister Altmaier steht unter Beschuss. Dabei ist offensichtlich, dass manche frustrierten Merkel-Gegner an dem Kanzler-Getreuen “ihr Mütchen kühlen”, wie ein CDU-Mitglied es formuliert. Den saarländischen Krisenprofi wirft das jedoch nicht aus der Bahn.

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Wer wissen will, wie sehr die Macht von Angela Merkel schwindet, der schaue auf das langjährige Triumvirat ihrer Machtarchitektur: Volker Kauder, Ursula von der Leyen und Peter Altmaier. Der eine ist von der eigenen Fraktion spektakulär vom Hof gejagt worden, bei der anderen werden täglich vermeintliche Skandale befeuert und nun wird über Peter Altmaier aus den eigenen Reihen hergefallen als sei der Saarländer ein Sozialist im Erhard-Ministerium.

Hinter der systematischen Demontage der drei Merkel-Säulen steht die verkappte Revolte der CDU gegen ihre Kanzlerin. Man attackiert ihre Getreuen, aber man meint eigentlich sie. “An Kauder, von der Leyen und Altmaier kühlen die Merkel-Gegner ihr Mütchen”, sagt ein CDU-Präsidiumsmitglied. Dass Merkel ihre Leute nicht mehr beschützen kann, dass sie sich zu den Konflikten der Republik nicht mehr äußert und wie abgetaucht wirkt, verstärkt den Eindruck einer ohnmächtig werdenden Kanzlerin.

Im Falle Peter Altmaiers kann man seit Wochen verfolgen, dass der Wirtschaftsflügel in der Union miese Stimmung verbreitet. Sie würden zu gerne Friedrich Merz als Wirtschaftsminister sehen, lieber heute als morgen. Dass Altmaier zum CDU-Parteitag gegen Merz mobilisiert hatte, verzeihen sie ihm nicht. Und so verbreiten sie: Er verteidige den Mittelstand nicht ausreichend gegen die ordnungspolitische Übergriffigkeit von SPD und Grünen; er bewege in der Digitalisierung zu wenig; steuer- und energiepolitisch sei er gescheitert.

Sein Vorstoß zur nationalen Industriestrategie wird ihm als Verrat an Mittelstand und Marktwirtschaft ausgelegt. Dabei weist Altmaier zu Recht darauf hin, dass China und die USA mit immer härteren Bandagen Industriepolitik betreiben und Deutschland sich wappnen müsse. Der Familienunternehmerverband will ihn zum Verbandsjubiläum – ein beispielloser Eklat – schon gar nicht mehr reden lassen, die mächtigen Arbeitgeber Gesamtmetall meinen, der Bundeswirtschaftsminister “schadet inzwischen dem Ansehen der Union in der Wirtschaft”. Es wird verbreitet, Altmaier wechsele nach der Europawahl nach Brüssel und werde EU-Kommissar, seine Zeit in Berlin sei abgelaufen.

Die Attacken sind massiv, konzertiert und unfair. Doch die Angreifer könnten Altmaier unterschätzen. Er hat ein zähes Naturell und ist ein Spezialist für heikle Lagen. Immer wenn es für Angela Merkel brenzlig wurde, dann schickte sie den ausgleichenden Saarländer ins Feuer. Ob Griechenlandkrise, NSA-Affäre, Energiewende oder Migrationskrise – verzwickte Lagen löste er mit der Geduld eines Mikadospielers. Er ist kühlkopfiger Stratege und bismarckt sich durch Krisen.

Und so bewegt er sich auch jetzt mit einer tiefen Grundruhe und sucht in München gezielt die Größen der Wirtschaft. Erst eröffnet er die größte Messe der Welt, die Bauma, dann geht er zum kleinkreisigen Spitzentreffen ins Spatenhaus am Max-Joseph-Platz. Gut gelaunt und aufgeräumt tritt Altmaier dieser Tage auf. Und seine Kritiker kontert er mit einer unschlagbaren Waffe: freundlicher Gelassenheit.

Quelle: n-tv.de

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