Naturschutz ist kein Luxus

Der weltweite Biodiversitätsverlust konnte nicht aufgehalten werden. Der Kurswechsel ist eine Herkulesaufgabe, doch vor dieser schreckt Deutschland nicht zurück – die Weichen sind gestellt.

Die Weltgemeinschaft muss sich eingestehen: Das von den Staats- und Regierungschefs festgelegte Ziel, den weltweiten Biodiversitätsverlust bis 2010 entscheidend zu verlangsamen, haben wir nicht erreicht.

Wir wissen auch, woran es liegt: Bei politischen Maßnahmen, Strategien und Programmen werden Fragen der biologischen Vielfalt weltweit immer noch nicht ausreichend berücksichtigt. Die Hauptursachen des Biodiversitätsverlusts – das sind besonders die Zerstörung und Übernutzung von Lebensräumen und Arten sowie die Umweltverschmutzung – werden bisher nicht ernsthaft bekämpft. Und schließlich scheitert ein umfassender und wirksamer weltweiter Biodiversitätsschutz immer noch am mangelnden Geld.

Deutschland stellt sich der Herkulesaufgabe

Dies zu verändern und einen Kurswechsel einzuleiten ist wahrlich eine Herkulesaufgabe. Deutschland hat sich ihr gestellt: Von 2008 bis 2010 haben wir den Vorsitz der Vertragsstaatenkonferenz des UN-Übereinkommens über die biologische Vielfalt übernommen und damit Verantwortung für das zentrale Instrument zum weltweiten Biodiversitätsschutz. Unser Ziel war, bei der Weltnaturschutzkonferenz im Oktober 2010 in Nagoya (Japan) bei einigen zentralen Prozessen entscheidende Erfolge zu erreichen. Die elementaren Verhandlungsziele sind die Verabschiedung eines ABS-Protokolls zum Zugang und gerechten Vorteilsausgleich bei der Nutzung genetischer Ressourcen, der Beschluss einer ambitionierten Strategie für die globale Biodiversitätspolitik nach 2010 sowie die Bereitstellung entsprechender Finanzmittel für ihre Umsetzung.

Chance genutzt

Solche Themen werden nicht im Laufe von zwei Konferenzwochen ausgehandelt, sondern in mehrjährigen und mehrstufigen Abstimmungs- und Beteiligungsprozessen und bei etlichen Zwischenkonferenzen vorbereitet. Deutschland hatte in den vergangenen beiden Jahren die Gelegenheit, die Weichenstellung für einen wirksamen internationalen Biodiversitätsschutz wesentlich zu beeinflussen. Ich denke, wir haben die Chance genutzt: Wir befinden uns auf dem richtigen Weg. Wir müssen ihn jetzt aber auch zügig beschreiten. Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren.

Denn Naturschutz ist kein Luxus. Es geht um den Schutz unserer elementaren Lebensgrundlagen. Es geht darum, eine Krise abzuwenden, die in ihren Dimensionen jede Wirtschafts- und Finanzmarktkrise in den Schatten stellen würde.

Dafür müssen wir natürlich auch zu Hause unsere Aufgaben machen: Die Bundesregierung hat deshalb die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt beschlossen. Darin sind erstmals rund 330 Ziele definiert und rund 430 Maßnahmen benannt. In aller Bescheidenheit: Diese Strategie ist so umfassend und anspruchsvoll, dass sie als weltweit beispiellos gelten kann.

Die Ziele dieser Strategie sind konkret, sie gelten ab sofort und sie sollen nach einem konkreten Zeitplan erreicht werden. Ein Beispiel: Bis zum Jahr 2020 soll sich der Anteil der Wälder, die sich natürlich entwickeln können, von derzeit einem Prozent auf fünf Prozent erhöhen. Ein weiteres Ziel, das wir bis 2020 erreichen wollen: Die meisten Arten auf der Roten Liste sollen mindestens eine Stufe weniger gefährdet sein. Zum Beispiel soll ein Tier, das heute "vom Aussterben bedroht“ ist, dann nur noch als "stark gefährdet“ gelten.

Mit der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt machen wir unseren Erfolg überprüfbar. Aber sie zu verwirklichen ist keine Aufgabe von Politik und Verwaltung allein. Dies bedarf der aktiven Beteiligung aller. Auch Sie sind eingeladen!

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