Diesel sorgt im DAX für Bremsspuren

Nun also auch Daimler! Ein Diesel-Abgasskandal! Eine Million Fahrzeuge! Zwei Motoren-Baureihen sollen sich auf der Straße nicht so sauber verhalten wie auf dem Prüfstand. Schrecksekunde an der Börse: Die Daimler-Aktie verlor nach Bekanntwerden der Umstände kurzzeitig vier Prozent an Wert. Der aktuelle Kurs von rund 65 Euro ist deutlich unter den Höchstkursen, Daimler fährt dem DAX hinterher.

Offenbar ist das wabernde Dieselthema ungesund für die Aktien fast aller Automobilhersteller. Was man natürlich auch in Kostenfaktoren ausdrücken kann: Volkswagen etwa hat bislang mehr als 22 Milliarden Euro an Strafen und Entschädigungen zahlen müssen, die im Dax notierte Vorzugsaktie bewegt sich knapp unter 145 Euro – die gut 250 aus dem Jahr 2015 liegen in weiter Ferne. Dass die deutschen Autobauer mal zu Hochrisikopapieren werden würden, hätte sich niemand träumen lassen.

Dabei hapert es nicht an den Verkaufszahlen, auch nicht am technologischen Führungsanspruch. Die zunächst bei VW bekannt gewordene Technik, im Alltagsverkehr die Abgasregulierung automatisch abschalten zu lassen bringt eine Antriebstechnik in Verruf, die zuvor stets in vielerlei Hinsicht als sauber galt, die Motoren sparsamer und langlebiger, was in eine Umweltbilanz natürlich mit einfließen sollte. Die Ingenieure mit ihrer fehlgeleiteten Erfindungskraft haben daher nicht nur Milliarden Börsenwert vernichtet, sondern auch die Werte der Autobesitzer geschmälert und am Ende der Umwelt keinen Gefallen getan. Ganz abgesehen davon, dass zahlreiche Manager der Konzerne nun am besten auf Reisen in die USA verzichten, wo in Kalifornien vor allem Verhaftungen drohen.

Daimler in Problemen

Den Diesel in Amerika aus der Nische zu holen dürfte nun ebenfalls vergebliche Mühe sein. Die Börse kalkuliert den möglichen Schaden recht nüchtern – im schlimmsten Fall müsste Daimler zum Beispiel eine Million Fahrzeuge umrüsten, es ist sogar die Rede davon, dass die betroffenen Autos aufgrund der Abgasproblematik gar nicht zulassungsfähig gewesen sein könnten. Bei anderen Modellen hatte Daimler bereits eine Rückrufaktion gestartet – dies betraf 250.000 Fahrzeuge. Vorsichtshalber hatten die Stuttgarter drohende Strafen, Verluste und Entschädigungszahlungen bereits in den jüngsten Quartalsbericht aufgenommen – diese denkbaren Zahlungen belasten seither den Kurs. Das Verfahren, zur Zeit beim Stuttgarter Amtsgericht anhängig, dürfte allerdings noch lange dauern.

Lesen Sie hier mehr zu den Problemen, in denen Daimler steckt: in Ihrer BÖRSE
am Sonntag
!

In der Zwischenzeit können Daimler und auch VW durchaus zu Lösungen kommen, die den alten Ruf des Diesels auch ohne Manipulation wieder aufleben lässt – zu wünschen wäre es, denn die negative Publicity ist ja schon ein Schaden aus sich selbst. Zudem hängen sich Trittbrettfahrer, wie etwa der Abmahnverein „Deutsche Umwelthilfe“ und andere selbsternannte Retter der Natur an die Verfahren an und überziehen nun vor allem Kommunen mit Klagen, was die Luftreinhaltung angeht. Das beste Mittel, für Börse, Kunden und Umwelt wäre also sicherlich eine Abgasreinigung, die den Namen verdient.

Diese Kolumne erschien zuerst in der BÖRSE am Sonntag.

Mehr aus der Kolumne

Schliekers Börsenwoche

Medium_06c1f7773c

Der amerikanische Stahltraum

Trumps politische Bilanz sieht für seine Wähler, und vermutlich auch für eine erkleckliche Zahl von Nichtwählern, gar nicht schlecht aus. Bei den Wahlen zum Kongress im Spätherbst möchte Trump die Republikaner zu einem fulminanten Sieg führen, auch wenn die Eliten der Republikanischen Partei immer noch fremdeln mit dem seltsamen Präsidenten. Ein verschärfter Handelskrieg käme ihm gerade recht.

Medium_6f0bc3f3d7

Gefährliche Triebe

Was ein US-Präsident an- beziehungsweise ausrichten kann, zeigte sich derzeit an die Börsenkursen europäischer Autohersteller. Die wirre Idee von Donald Trump, das Rad gleichzeitig zurückdrehen und neu erfinden zu können, beschert Verluste in Serie. Ironischerweise besonders betroffen: BMW, bekanntlich größter Exporteur der Vereinigten Staaten für einige Autotypen.

Medium_e512a7d11b

Trumps Sanktionen – gegen Europa

Die faktische Aufkündigung des Iran-Atomabkommens durch den amerikanischen Präsidenten wirbelt die Weltpolitik durcheinander – und den weltweiten Handel ebenso. Profitieren werden die Chinesen, den Schaden haben die Europäer, und hier zuerst wir, die Deutschen.

comments powered by Disqus