Christen in staatlichen Umerziehungslagern

Die wenigen Christen unter den Uiguren sind eine Minderheit in der Minderheit. Die mehrheitlich muslimische Volksgruppe hat sich hauptsächlich im Nordwesten Chinas angesiedelt. Über 500.000 Uiguren werden derzeit in staatlichen Umerziehungslagern festgehalten, zumeist Männer.

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cc-by Ian Holton

Trotz massiver internationaler Kritik versucht die chinesische Regierung, sie auf diesem Weg ideologisch auf die Linie der kommunistischen Partei einzuschwören. Die Christen unter ihnen erfahren dabei oft zusätzliche Härte, sowohl aufgrund ihrer Volkszugehörigkeit als auch wegen ihres Glaubens – gelten sie doch als Unruhestifter in einer ohnehin „aufrührerischen“ Volksgruppe. Mitarbeiter von Open Doors besuchten christliche Familien, die monatelang ohne ihren Vater und Ehemann auskommen mussten.

Propaganda statt Bibel

Die Häftlinge werden in den Lagern gezwungen, Chinesisch (anstelle ihrer eigenen Turksprache) zu sprechen und patriotische chinesische Lieder zu singen. Bibeln und andere christliche Materialien sind verboten, ebenso wie islamische Kleidung und Bärte. In den täglichen Propagandastunden wird versucht, alle „uigurischen Denkweisen“ auszulöschen und durch die Weisheiten von Staatschef Xi Jinping zu ersetzen. Einige Pastoren wurden bereits wieder aus den Lagern entlassen, aber sie vermeiden jegliche christliche Aktivitäten, um sich von ihrer Tortur zu erholen.

Um sie nicht unnötig zu gefährden, trafen sich Mitarbeiter von Open Doors in ihrer Abwesenheit mit ihren Ehepartnern und Kindern, um sie zu ermutigen und ihnen zu versichern, dass Christen weltweit für sie beten. „Unter Tränen berichteten sie von ihrer Einsamkeit und den Schwierigkeiten dieser Zeit. Doch ihre Tränen waren gleichzeitig Ausdruck herzlicher Dankbarkeit dafür, dass der globale Leib Christi ihnen beisteht“, erzählt eine Mitarbeiterin.

„Sie erleben Gottes Nähe“

Sie berichtet weiter: „Christen unter den Uiguren setzen alles daran, Salz und Licht zu sein in dieser beispiellosen Situation, in der Christen und Muslime gemeinsam verfolgt werden. Viele uigurische Christen haben in den letzten Jahren wegen ihres Glaubens und ihrer Volkszugehörigkeit sehr gelitten. Aber gerade deshalb sind sie in einer einzigartigen Position, um den Muslimen in ihrem Umfeld Jesus nahezubringen: Für die Muslime ist Allah entfernt und unpersönlich, und ihre Verfolgung ist Teil seines Willens für sie. In unseren Brüdern und Schwestern wohnt dagegen der Geist Jesu und sie erleben seine Nähe, seine Stärke und seine Freiheit.“

Quelle: Open Doors

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