Drei Gründe, warum der nächste Crash droht

Wenn die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) vor starken Kursschwankungen warnt und der US-Präsident Donald Trump das multilaterale Handelssystem mit Strafzöllen bombardiert, sollten auch beim letzten Optimisten die Alarmglocken läuten. Drei valide Gründe, warum der nächste Börsencrash nur eine Frage der Zeit ist.

Früher oder später droht die nächste Finanzkrise. Das was bisher nur Schwarzmaler und Pessimisten prognostizierten, bestätigt nun die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ): Der Tag, an dem Mitarbeiter ihr Büro auf der Wall Street räumen werden, weil sie jede Alarmglocke ignoriert haben, er wird kommen. Und zwar eher früher als später. Drei Gründe sprechen für eine auf uns zurollende Krise, die das globale Finanzsystem aus den Angeln heben wird: Überbewertete Märkte in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften, zu lockere Finanzierungsbedingungen und extrem hohe Schuldenstände in der Weltwirtschaft. Claudio Borio, Leiter der Währungs- und Wirtschaftsabteilung der BIZ, schlägt die Alarmglocken derzeit so laut er kann, während der US-Präsident Donald Trump jedem mit Strafzöllen droht, der einen vermeintlich anti-amerikanische Kurs fährt. Doch gibt es wirklich plausible Gründe für einen drohenden Absturz? Definitiv.

Hohe Verschuldung

Was aus guten Vorsätzen nach der letzten Finanzkrise geworden ist, zeigt ein Blick in den Quartalsbericht der BIZ: Global betrachtet sind die Schuldenstände höher als vor der letzten Finanzkrise. Das belegen auch die Daten des McKinsey Global Institute. Die Kreditaufnahme ist um 72 Billionen Dollar höher als noch vor zehn Jahren. Selbst unter Berücksichtigung der steigenden Wirtschaftsleistung der letzten Jahre, bleibt eine höhere Verschuldung übrig. So verwundert es nicht, dass auch der Internationale Währungsfonds (IWF) vor den Gefahren warnt. Ein immer weiter wachsender Schuldenberg mache die Finanzmärkte verletzlich, sagt IWF-Direktorin Christine Lagarde in Washington. „Bei allem Respekt, die USA sollten ihr Defizit reduzieren und es nicht ausweiten.“ Doch nicht nur die Amerikaner müssen gewarnt sein. Weil viele Länder Krisen mit Konjunkturpakten bekämpfen, wachsen die Schulden. Hinzu kommt, dass Banken mit Steuergeldern gerettet werden – eine Krise der Privatwirtschaft entwickelt sich zu einer öffentlichen Schuldenkrise wie beispielsweise in Griechenland, Spanien oder Irland. Besonders gravierend ist die Lage in China. Dort sind die Staatsverbindlichkeiten innerhalb der letzten 10 Jahre um das Fünffache auf 30 Billionen Dollar gestiegen.

Doch damit nicht genug. Auch Unternehmen schaufeln immer mehr Verbindlichkeiten auf den Schuldenberg, als könnte dieser endlos wachsen. Wegen der niedrigen Zinsen nehmen sie seit Jahren Kredite auf und kaufen Anleihen an. Das wäre weniger erwähnenswert, wenn der IWF nicht befürchten würde, dass ein Großteil dieser Summe in riskante Unternehmungen fließt und die Stabilität des Finanzsystems darunter leidet. In der Türkei, in der sich die Unternehmensschulden im letzten Jahrzehnt verdoppelt haben, zeigt sich derzeit, wie schnell solch ein Pulverfass explodiert. Die Lira verliert in rasanter Geschwindigkeit an Wert, was sich auf ausländische Banken, andere Schwellenländer und die Volkswirtschaften der Euro-Zone auswirkt. China ist ein weiteres Problemkind. Klar, ist das Wirtschaftswachstum enorm – der Schuldenberg aber auch und wenn dieser erstmals ins Rutschen gerät, bekommt das globale Finanzsystem ein Riesenproblem.

Überbewertete Märkte

Die Ursachen für das derzeitige Risikopotenzial sieht Borio außerdem in einer Überbewertung der Märkte in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften. Ein Blick auf die Wall Street zum Beispiel zeigt, dass sich die großen Börsenbarometer seit Monaten aufwärts bewegen, obwohl die ökonomischen Perspektiven mit einer laufenden Zinswende im Dollarraum, der Währungsschwierigkeiten einiger Schwellenländer und wachsenden protektionistischen Hürden im Welthandel mit erheblichen Unsicherheitsfaktoren verbunden sind. So verwundert es nicht, dass auch der Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing eher düster in die Zukunft blickt. Zwar würden die meisten Volkswirte derzeit noch von einer stabilen Konjunktur ausgehen – größere Schwankungen, aufgrund steigender Unsicherheiten, seien aber sehr wahrscheinlich, so Sewing in Düsseldorf.

Ähnlich sieht es das Ifo-Institut. Während Forscher in ihrem Frühjahrsgutachten noch mit Zuwächsen von 2,6 Prozent für das kommende Jahr gerechnet haben, schrauben sie die Konjunkturerwartungen auf 1,8 Prozent herunter. Kurzum: Der seit einigen Jahren anhaltende Wirtschaftsboom hierzulande verliert an Fahrt. Auch die Strafzölle des US-Präsidenten Donald Trump lassen Deutschland und die Europäische Union nicht kalt. Zwar ist die EU bislang nur in geringem Umfang von Zöllen auf Stahl- und Aluminiumprodukte betroffen, doch auch in Deutschland zeige die Zolldiskussion bereits Auswirkungen auf die Exporterwartungen der Unternehmen, erklärt Sewing. Und falls Trump seine Drohung wahrmacht, auch Strafzölle auf Autos zu erheben, würden europäische Länder tiefer in den Handelskonflikt hineingezogen werden. Jetzt schon tief drin: China. Auf die Hälfte aller Importe fallen Strafzölle an. Das Weltwirtschaftsklima ist rauer geworden – das ist kein Geheimnis mehr. Doch derzeit ziehen so dunkle Wolken auf, dass ein Niederschlag immer wahrscheinlicher wird.

In Europa richten sich die sorgenvollen Blicke derzeit außerdem auf Italien. Die politischen Anspannungen im EU-Mitgliedsstaat stellt für die gesamte Euro-Zone eine Gefahr dar – nicht zuletzt, weil die Europäische Zentralbank (EZB) im Spannungsfeld verschiedener Interessen steht. Hinzu kommt der Brexit. Bis zum Jahresende müsse die Europäische Union und die britische Regierung Lösungen und Übergangsfristen für das Ausscheiden des Vereinigten Königreiches aus der EU finden, andernfalls würden die Finanzmärkte zu sensibel auf die Unsicherheit reagieren, erklärt der Deutsche-Bank-Chef Sewing.

Lockere Finanzierungsbedingungen

Nach der Lehman-Pleite wurden die Notenbanken zum wichtigsten Akteur im Schauspiel auf der internationalen Finanzbühne. Sie senkten sukzessive die Zinsen bis sie ihre historischen Tiefstände erreicht haben. Das Resultat: Marktliquidität und eine stabile Wirtschaft. Gleichzeitig stiegen dadurch die Vermögenspreise – das gilt für Aktien, Anleihen und Vermögenspreise gleichermaßen. Laut der Bundesbank sind die Immobilienpreise in deutschen Städten deshalb stark überbewertet. Führen die Notenbanken nun die Liquidität wieder zurück, könnte dies zu Verwerfungen führen, so Borio. „Der Preis für kurzfristige Ruhe sind mögliche Turbulenzen auf lange Sicht“, ergänzt der BIZ-Experte. Als Hauptgrund für den langen Börsenaufschwung gilt die extrem ausgeprägte Phase von Niedrigzinsen. Wenn die Notenbanken also – so wie es seit einigen Monaten passiert – mit der Reduzierung der Bilanzsummen beginnen und eine Zinswende einleiten, leider die Liquidität der Finanzmärkte. Die US-Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank sind bereits dabei, die Zinszügel peu à peu anzuziehen.

Fazit

Früher oder später droht der nächste Crash. Wann und wo, ist ungewiss. „Leider brechen Krisen meist an anderen Stellen aus als beim letzten Mal“, sagt der Chef der deutschen Finanzaufsicht, Felix Hufeld. Wenn Banken und Politiker die Warnungen der BIZ nicht ernst nehmen und den brodelnden Krisenherden weiterhin zu wenig Aufmerksamkeit schenken, könnte es gefährlich werden.

Am 15. September jährte sich der Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers. Zahn Jahre ist die größte Finanz- und Wirtschaftskrise seit der Depression in den 1930er Jahren nun her. Während der Mega-Crash vor rund 90 Jahren als Schicksaalsereignis in Erinnerung bleibt und im Krieg und mit Diktaturen in einigen Ländern endete, kamen die meisten Staaten und Unternehmen nach dem Lehmann-Pleite mit einem blauen Auge davon – nicht zuletzt, weil die Politik entschlossen auf den Crash reagierte. Doch würde das Finanzsystem einen erneuten Absturz vertragen? Oder würden die Folgen die Welt in den Abgrund stoßen wie nach dem Schwarzen Freitag, dem New Yorker Börsencrash von 1929?

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