Vorsicht Falle! Teil 2.

Den ersten Warnschuss haben wir hinter uns. Ende Dezember 2017 kostete ein Bitcoin 18.000 Euro. Mitte Februar 2018 waren davon fast nur ein Drittel übrig: etwa 6.500 Euro. Heute ist er immerhin schon wieder bei gut 8.000 Euro. Wie viele „Investoren“ es wohl gewesen sein mögen, die durch den Kurssturz Erspartes verloren haben?

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In meinem ersten warnenden Kommentar zum BitCoin im vergangenen Dezember („Vorsicht Falle“) habe ich geschrieben: „Natürlich kann man etwas als Währung bezeichnen, mit dem hin und wieder ein Realgeschäft getätigt wird, aber das macht den BitCoin und all die anderen digitalen Rechenkunststücke noch nicht zur Währung. Man kann ein solches Realgeschäft auch mit Zement oder einem Diamanten oder sonst einer Ware machen. Man nennt ein solches Tauschgeschäft dann nicht Kauf, sondern Barter …“ Der Gedanke ist zu vertiefen, weil der geschriebene Unsinn, BitCoins als Währung zu bezeichnen, nicht aufhört. So schreibt der bekannte Euro-Rebell Frank Schaeffler auf seiner Freiheitsseite, dass er im „Aufkommen der Kryptowährungen den ersten wirklichen Großangriff auf das staatliche Geldsystem“ sieht.

Libertärer Jubel der Freunde der Freiheit. Aber was gibt es da zu jubeln? Ich meine: Nichts! Zumindest, wenn man versteht, welche Bedeutung das staatliche Geldsystem hat und was es überhaupt ist. Denn in der Tat ist es eben nicht „der magische Glanz des Goldes“, wie Karl Marx meinte, der das Geld unanständigerweise attraktiv macht. Marx war das Geld fatalerweise suspekt, woraus er in seinen Werken ein Wirtschaftssystem entwickelte, die Planwirtschaft, das ohne Geld auskommen sollte. Man muss wirklich Mitleid haben Millionen und Abermillionen armen Menschen, die in der Realität unter diesem sozialistischen Gedankenexperiment litten, gemordet wurden und heute noch leiden, zum Beispiel in Nordkorea.

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Nein, es ist nicht der magische Glanz!

Es sind die magischen Funktionen, die das staatliche Geld so einzigartig machen. Man kann nicht einmal sagen, welche Funktion die wichtigste ist, aber faszinierend ist schon mal diese Funktion: Das Geld ist der gemeinsame Nenner aller Waren, die auf Märkten angeboten werden. Oder anders ausgedrückt: Alle Waren innerhalb einer Währungsunion haben, soweit sie auf Märkten angeboten werden, eine gemeinsame Eigenschaft, die sie vergleichbar macht: Alle haben einen Preis, der auf dieser einen Währung beruht. Oder anders ausgedrückt: Gäbe es keine einheitliche staatliche Währung, gäbe es keine Preise, beziehungsweise, es gäbe viele Preise, die dann aber nicht mehr vergleichbar wären. Der gemeinsame Nenner wäre weg. Markttransparenz würde zum Fremdwort. Oder anders ausgedrückt: Unsere Marktwirtschaft funktioniert nur richtig mit staatlicher Einheitswährung, weil es nur mit dieser die Möglichkeit gibt, dem Angebot einen Preis zu geben, einen sichtbaren Wert, mit dem alle etwas anfangen können, wirklich alle!

Man kann das Ganze aber auch noch positiv ausdrücken: Wer viel von einer Einheitswährung in der Tasche hat, hat eine millionenfache Pickfreiheit, das heißt, er kann sich für das Geld alles kaufen, was das Herz begehrt. Das Geld, die staatliche Einheitswährung, ist das magische Medium der Marktwirtschaft. Es lagert meist unsichtbar im Portemonnaie oder völlig immateriell auf dem Bankkonto, es blitzt an der Kasse kurz auf und ist schon wieder unsichtbar in ihr verschwunden. Wie wunderbar diese Pickfreiheit funktioniert, kann man bei den neuen BitCoin-Millionären beobachten: Sie verkaufen ein paar BitCoins und beginnen ein schönes neues Leben. Sie kaufen sich als erstes eine Motoryacht und ankern damit im Hafen von Monte Carlo. Von dort gehen sie aus, um die leicht „verdienten“ Dollars gegen die bekannten Genüsse aller Art zu tauschen: Essen, Trinken, Mode, Verwöhnen. Ihr schönes Leben beginnt mit einem prall gefüllten Dollarkonto, das durch den gigantischen Preismultiplikator für die knappe Handelsware BitCoin entstanden ist. Keiner von ihnen bezahlt irgendwo auf der Welt mit BitCoins – außer bei dem einen Ladenbesitzer in Wien oder Zürich, der selbst mit dieser knappen Ware spekuliert und der auch Wertverluste in Kauf nimmt. Das macht sonst kein Kaufmann. Nirgendwo.

Es ist wahrscheinlich, dass der eine oder andere neue Wohlhabende der Kryptogeldwelle sich normal oder anders verhält und nach dauerhaften Geldanlagen sucht oder einfach weiter spekuliert, aber sein Maßstab für die Freiheit, die millionenfache Tauschfreiheit, lautet immer in Euro oder Dollar oder Yen, also staatlich garantiert, wenn er nachts ins Bett geht und seine Millionen – oder weniger – überschlägig kalkuliert.

Einfach unersetzlich

Aber es gibt noch eine weitere Eigenschaft des Geldes, die für die Marktwirtschaft unersetzlich ist und das ist seine Liquidität. Geld fließt auf Märkten und im Bankensystem, versammelt sich in Strömen und wird wieder aufgeteilt und versammelt sich erneut. Oder konkret: Der Kaufmann auf dem Markt sammelt das Geld tagsüber ein, zahlt es am kommenden Morgen bei seiner Sparkasse ein, wo es von der Hausfrau eine Stunde später wieder abgeholt wird, um auf dem Markt wieder auf die Kaufleute verteilt zu werden. Auch wenn das Schema hausbacken klingt und Zahlungen modern gemischt in bar und/oder online mit Karte erfolgen können, so bleibt der Fluss- und Kreislaufcharakter des Geldes bestehen, der darauf beruht, dass Geld eine eindimensionale Größe ist. Millionen von Transaktionen lassen sich am Ende in einer Zahl verschmelzen, die dann in der Gewinn- und Verlustrechnung oder der Bilanz des Kaufmannes steht. Mehrdimensionale Größen, wie Öl, Zement oder Kryptos haben in den Bilanzen keinen Platz, sie müssen immer durch eindimensionale Zahlen ersetzt werden, also durch echte Währungen.

Eine der wesentlichen Eigenschaften ist schließlich, dass Geld in kleinste Einheiten, in Cents, real geteilt werden kann und man damit auch einkaufen kann. Einer der prägnantesten Aussprüche dazu stammt von Grete Schickedanz, der Ehefrau und Witwe des Gründers Gustav Schickedanz des einst berühmten Versandhauses „Quelle“, die sagte: „Eine Milliarde besteht auch aus Pfennigen!“ Und in der Tat sind die Geschäfte im Bereich des täglichen Bedarfs oft Pfennig- oder Cent-Geschäfte, wie es beim Einkauf von Lebensmitteln der Fall ist. Man stelle sich vor, man steht in einer Bäckerei oder auf dem Gemüsemarkt und alle Bezahlungen erfolgten per EC-Karte. Schon die Vorstellung ist irrational, auch wenn der Aldi-Einkauf schon häufig online bezahlt wird. Schon rein rechnerisch sind so viele Einzeltransaktionen in sogenannten „Kryptowährungen“ gar nicht vorstellbar. Allein die Rechenleistung zur Vervollständigung der Blockchain, also der Zahlungskette, in so verschlüsselter Form ist nicht mehr darstellbar.

Es ist deshalb zu hoffen, dass das staatliche Geldsystem den Angriffen widersteht – zu unser aller Wohl, auch wenn sein vielfältiger Missbrauch durch Regierungen und Zentralbanken uns immer wieder daran zweifeln lässt.

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