Bildung made in Bavaria

Wir müssen in unsere Bildung mehr investieren, meint Bernd Silber in einem Interview.

Bayern hat ein neues Bildungspaket geschnürt, von dem alle bayerischen Schülerinnen und Schüler profitieren sollen. Was wird an bayerischen Schulen künftig noch besser?

Sibler: Mit unserem Bildungspaket „Für Bildung begeistern! Fördern, Fordern, Forschen“ können wir die Rahmenbedingungen für das Leben, Lernen und Arbeiten in der Schule für unsere Schülerinnen und Schüler und unsere Lehrerinnen und Lehrer noch weiter verbessern! Wir werden in den kommenden Jahren 2.000 zusätzliche Stellen an unseren Schulen schaffen – von den Förderschulen über die Grund- und Mittelschulen zu den Realschulen und den beruflichen Schulen. Auch das neue bayerische Gymnasium wird deutlich mehr Lehrerinnen und Lehrer als bisher bekommen: Bis 2025 insgesamt 1.000 zusätzlich! Und: Allein bis 2020 werden wir 66 Millionen Euro in die „Zukunftsinitiative Berufliche Bildung“ investieren. Das zeigt: Unsere Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrkräften sind uns – der CSU-Fraktion und der Bayerischen Staatsregierung – außerordentlich wertvoll und wichtig. Denn: Unsere jungen Menschen sind unsere Zukunft!

Was waren die Gründe für die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium?

Sibler: Unsere Schülerinnen und Schüler bringen heute zum Teil andere Voraussetzungen mit. Eine Klasse 2018 ist deutlich heterogener, als sie es vor zehn oder zwanzig Jahren war. Gleichzeitig sind durch den gesellschaftlichen Wandel – Stichpunkt Digitalisierung und Globalisierung – die Anforderungen an unsere jungen Menschen deutlich gestiegen. Zudem sind sie heute aufgrund der Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge meist deutlich jünger, wenn sie die Hochschulen wieder verlassen – ein zusätzliches Schuljahr schmerzt im europa-weiten Vergleich also nicht mehr. Mit dem neuen bayerischen Gymnasium können wir den Schülerinnen und Schülern mehr Zeit geben und neue Akzente setzen. Kernfächer wie Deutsch, Mathematik und Englisch und viele weitere Fächer können wir mit zusätzlichen Unterrichtsstunden stärken. Nicht ein Fach wird im Umfang gekürzt. Die digitale Bildung erhält einen ganz neuen Stellenwert, die politische Bildung mit ihren Leitfächern wird ausgebaut. Und die Anzahl der Unterrichtsstunden am Nachmittag wird gesenkt – das hilft gerade den Kindern und Jugendlichen auf dem Land, die auf eine Bus- oder Bahnverbindung angewiesen sind. Wir wollen aber auch künftig besonders leistungsstarken Schülerinnen und Schülern ermöglichen, das Gymnasium in acht Jahren zu durchlaufen. Sie werden in eigens eingerichteten Modulen in der Mittelstufe pädagogisch und fachlich so vorbereitet, dass sie die 11. Jahrgangsstufe überspringen und erfolgreich ihren Weg in der Qualifikationsphase fortsetzen können.

Wie wird speziell die berufliche Bildung gestärkt?

Sibler: Die „Zukunftsinitiative Berufliche Bildung“ ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Bildungspakets „Für Bildung begeistern! Fördern, Fordern, Forschen“. Sie umfasst 100 zusätzliche Stellen in den Jahren 2018 und 2019 für Berufsschulen sowie Fachober- und Berufsoberschulen. Hinzu kommt eine deutliche Erhöhung des Meisterbonus von derzeit 1.000 Euro auf 1.500 Euro. Mit diesen Maßnahmen können wir angehende Leistungsträger in Handwerk und Industrie in ihrer Ausbildung besser als bisher unterstützen und sie dazu motivieren, sich auf der Höhe der Zeit weiter zu qualifizieren. Denn: Bayern und Deutschland brauchen Spitzenhandwerker und facharbeiter. Für eine erfolgreiche berufliche Bildung sind aber auch die Rahmenbedingungen wichtig. Daher haben wir 10 Millionen Euro im Jahr 2018 zur Förderung von Investitionen in Aus und Weiterbildungseinrichtungen und 5 Millionen Euro für Exzellenzzentren der beruflichen Bildung im Bereich „Industrie 4.0“ vorgesehen. Die berufliche Bildung in Bayern ist ein Erfolgsmodell, das weltweit anerkannt ist. Wir wollen sie weiter voranbringen.

Auf Bundesebene wird immer wieder über das Kooperationsverbot gestritten. Was sind die Vorteile des Bildungsföderalismus?

Sibler: Im Grundgesetz sind die Verantwortlichkeiten klar geregelt: Die inhaltliche Verantwortung bei der Bildung liegt allein bei den Ländern. Allerdings arbeiten Bund und Länder in vielen Fragen zusammen. Die Kooperation zwischen Bund und Ländern soll weiter ausgebaut werden, so dass der Bund die Länder bei Investitionen in die Bildungsinfrastruktur, insbesondere in Ganztagsschul- und Betreuungsangebote, Digitalisierung und berufliche Schulen unterstützen kann. Grundsätzlich ist die Bildungs- und Kulturhoheit der Länder aber sinnvoll – vor allem für unsere Schülerinnen und Schüler. Denn Entscheidungen, die das Bildungssystem betreffen, haben eine enorme Tragweite: Mit der Schulbildung geben wir unseren Kindern und Jugendlichen wichtige Grundlagen für ihr Leben mit. Wir vermitteln ihnen Wissen und Können, Werte und Einstellungen und bilden Herz und Charakter. Daher müssen diese Entscheidungen nahe am Menschen fallen – das ist nur möglich, wenn man sich vor Ort mit den Menschen unterhält und sich für ihre Bedürfnisse interessiert. Das garantieren die politisch Verantwortlichen der Länder. Viele Bundesländer nehmen ihre Verantwortung für eine bestmögliche Bildung unserer jungen Menschen engagiert wahr. Sie haben ein vitales Interesse daran, ihr eigenes Bildungssystem weiter zu verbessern und gerecht zu gestalten. In Bayern stehen wir im nationalen Vergleich außerordentlich gut da und arbeiten konsequent weiter daran, unseren jungen Menschen in der Stadt wie auf dem Land vergleichbar gute Lebens- und Bildungschancen zu bieten und sie auf ihrem individuellen Bildungsweg passgenau zu begleiten. Selbstverständlich ruhen wir uns auf unserem erfolgreichen Bildungssystem nicht aus und widmen uns aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen wie Digitalisierung, Inklusion, Integration, Werteerziehung und Demokratiebildung. Wir geben in Bayern im Jahr über 12 Milliarden Euro für die schulische Bildung aus. Das zeigt, wie wichtig uns unsere jungen Menschen sind: Sie sind unsere Zukunft – und in diese Zukunft investieren wir kraftvoll!

Bildung made in Bavaria hat einen hervorragenden Ruf. Woran liegt das?

Sibler: Unsere Schülerinnen und Schüler stehen im Mittelpunkt aller Überlegungen. Wir bieten ihnen mit unserem vielgliedrigen Schulwesen eine Auswahl an Schularten an, die auf ihre Talente und Begabungen abgestimmt sind – von spezialisierten Förderzentren über die Mittelschule, die Realschule, das Gymnasium bis zu den beruflichen Schulen. Das ermöglicht ihnen, sich weiter zu entwickeln, denn jeder Abschluss ermöglicht einen Anschluss an eine andere Schulart. Aber ein System kann nur so gut sein wie diejenigen, die es tragen. In Bayern können wir auf gut ausgebildete, engagierte Lehrerinnen und Lehrer setzen! Dazu kommt eine faire Erziehungs- und Bildungspartnerschaft zwischen ihnen und den Eltern. Und: Wir haben eine leistungsstarke Schulaufsicht, die unsere Kollegien begleitet, und Kommunen, die ihre Rolle als Sachaufwandsträger für unsere Schulen gemeinsam mit dem Freistaat ernst nehmen. Das sind gute Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Bildung!

Ganz generell: Was macht ein Schulsystem erfolgreich?

Sibler: An erster Stelle spielen die Lehrerinnen und Lehrer eine ganz wichtige Rolle: Sie sorgen für ein gutes Klima an der Schule, dafür, dass unsere jungen Menschen ihre Schule als Lern- und Lebensraum empfinden. Sie sorgen für einen motivierenden, abwechslungsreichen Unterricht. Sie sorgen für ein vielfältiges Angebot, das über den herkömmlichen Unterricht hinaus unsere Schülerinnen und Schüler fördert. Eine fundierte Lehrerbildung ist dafür Voraussetzung. Dazu kommt eine Auswahl an weiterführenden Schulen, die auf die Talente und Begabungen der Kinder und Jugendlichen abgestimmt sind. Schulen, die sich behutsam ihrer Weiterentwicklung verschreiben, indem sie Antworten geben können auf die Herausforderungen unserer Zeit – dazu gehört die Werte- und Demokratieerziehung ebenso wie die digitale Bildung. Ein Schulsystem, das sich nicht dem Wandel stellt, kann genauso wenig erfolgreich sein wie eines, das häufig in seinen Grundfesten umgestoßen wird.

Wenn Sie auf Ihre eigene Schulzeit zurückblicken: Was würde dem Schüler Bernd Sibler heute besser gefallen als früher?

Sibler: Die Vielfalt der Methoden im Unterricht: Die Lehrerinnen und Lehrer schöpfen heute aus einem wesentlich größeren Repertoire an didaktischen Mitteln – diese Abwechslung vom Lehrervortrag über fächerübergreifende Projektarbeit bis hin zur digitalen Recherche hätte mich sicher noch mehr für die Schule begeistert!

Quelle: Herzkammer

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