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Shirts im Siebdruck-Verfahren, Bier aus der eigenen Badewanne, ein Job im Start-up: Der gepflegte Hipster zelebriert die Do-It-Yourself Kultur und das Arbeitsleben zwischen Latte und Laptop.

Die niederen Künste des Lebens erscheinen manch einem nicht eine Stunde lang als beachtenswert. In unseren schnelllebigen Zeiten und in unserer modernen Zivilisation sind wir zu zielstrebig und beschäftigt, als uns mit Kunst zu beschäftigen, die weder in unserem Innersten die Emotionen erregt noch nach der Aufmerksamkeit unseres höchsten Intellekts verlangt.

Diese Ablehnung ist durchaus nicht unberechtigt, wenn sie auf eine bestimmte Art und mit bestimmten Zielen verfolgt wird. Doch trotzdem scheint es mir, als dass die niederen Künste ohne ausreichende Gründe und zum Schaden der Gemeinschaft abgelehnt werden. Ich schäme mich daher nicht, als ausgesprochener Verfechter dieser Künste vor Sie zu treten. Das ist nur recht, denn schließlich verrichte ich durch ebendiese Künste meinen Dienst an der Öffentlichkeit und verdiene meinen Lebensunterhalt mit großem Vergnügen.

Mitleid haben, Widerstand leisten

Die Frage stellt sich, was sind die niederen Künste des Lebens? Die Meinungen gehen in dieser Frage auseinander und ich zweifele sehr, dass Zeit und Aufwand einer solchen Abhandlung sich lohnen. Mir ist es jedoch wichtig, Sie davon zu überzeugen, dass die niederen Künste wirklich Teil der Kunst sind, die anderorts mit viel Lob bedacht wird. Die erste Frage ist daher: Was sind die höheren Künste? Der Begriff wird mit verschiedensten Bedeutungen verbunden und mir bleibt lediglich festzuhalten, ohne dass ich freilich eine Definition wagen mag, dass wir damit all jene Kunst bezeichnen, die unsere Emotionen oder unseren Intellekt anspricht.

Die höheren Künste richten sich an das komplexe Zusammenspiel von Eindrücken, Gefühlen, Erfahrungen und Erinnerungen, das wir gemeinhin als „Fantasie“ bezeichnen. Jeder der höheren Künstler besitzt diese Gaben im Überfluss und kann sich ihrer für seine Schaffenskraft bedienen. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass jeder Mensch, solange er im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist und nicht durch eine falsche Erziehung verdorben worden ist, eine gewisse Fantasie besitzt und sie zu nutzen weiß. Anstatt mit einem halben Dutzend erwählter Männer zu flüstern, sollte der Künstler seine Stimme daher an sein gesamtes Publikum richten. […]

Es gibt zweifelsfrei manche, die Kunst allgemein ablehnen und die Zivilisation korrumpieren. Doch selbst sie lehnen die Kunst nicht rundherum ab: Sie essen sie und trinken sie und tragen sie und benutzen die Kunst, um sich selbst zu bereichern. Aber sie sorgen sich nicht um die Kunst und lernen nichts aus ihr. Lasst uns Mitleid mit ihnen haben: sie sind grob, gewalttätig, ungerecht und unmenschlich. Lasst uns Mitleid haben, aber lasst uns Widerstand leisten. Die Tatsache, dass sie sich ihrer Selbst manchmal nicht bewusst sind, bedeutet nicht, dass sie nicht trotzdem Unterdrücker sind: Unterdrücker der Kunst und daher auch Unterdrücker all jener Menschen, die in der Kunst Trost inmitten ihres einfachen Alltags finden.

Ich rede von Menschen, die reich und einflussreich sind. Sie thronen zur heutigen Zeit über der Zivilisation und drücken ihr ihren Stempel auf. Und wenn wir nicht wüssten, dass sie die Kunst vor allem aus Ignoranz und nicht aus bösem Willen heraus ablehnen, so müssten wir eigentlich die gesamte Zivilisation ablehnen und die Askese vorziehen. Wenn es keinen anderen Weg gäbe, Widerstand gegen diese Unterdrücker und Philister zu leisten, als künftig den asketischen Weg des Mönchs zu gehen, so sollte jeder ehrliche Mensch genau dies tun. Wenn wir allerdings erkennen, dass das Übel vor allem in der Ignoranz zu suchen ist, so bietet sich eine alternative Möglichkeit, die ich hier als den bürgerlichen Weg beschreiben will.

Hart und ausbeutend

Der Bürger sagt: Eine große Menge an Arbeit wird darauf verwendet, den zivilisierten Menschen mit all den Dingen zu versorgen, die er inzwischen als notwendig empfindet und ohne die er nicht mehr auskommen mag. Ein Großteil dieser Arbeit ist hart und ausbeutend. Die Summe solcher Arbeiten ist heute deutlich größer als in der Vergangenheit, und daher größer als unbedingt notwendig – und auch größer, als sie in Zukunft wieder sein wird. Unsere Aufgabe ist die Verringerung solch harter Arbeit. Erstens, indem wir unsere materiellen Anforderungen nicht weiter vervielfachen und zweitens, indem wir Hoffnung und Vergnügen zu zentralen Bestandteilen der Arbeit machen.

Das sind die Prinzipien, auf denen unser Widerstand gegen die Unterdrückung durch die Philister fußen muss: So wenig Arbeit wie möglich, und Arbeit allein auf Basis von freiem Willen und nicht als Sklavenarbeit. Ich halte dies für die beiden Pflichten all derjenigen, die auf ein Leben abzielen, das sowohl frei als auch gut für andere und angenehm für einen selbst ist.

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