Mohammeds leichtgläubige Sympathisanten

Religionskritik war immer ein Hauptanliegen der politischen Linken. Im Umgang mit dem Islam scheinen heute jedoch Zweifel und Skepsis verwerflich. Blinde Flecken im eigenen Weltbild werden schlichtweg hingenommen.

Die Probe aufs Exempel ist schnell gemacht: Man stelle in einer x-beliebigen Gesprächsrunde hierzulande einmal die Frage, ob der Islam nicht doch ein wenig mittelalterlich sei, ob er vielleicht strukturell undemokratische oder antiliberale Züge trage: „Islamophobie“ wird es einem entgegenschallen, ein populärer Kampfbegriff unserer Tage. „Phobie“ ist ein Begriff aus der Psychopathologie, der Phobiker ein Patient, den irrationale Ängste plagen, Klaustrophobie etwa oder die Spinnenangst Arachnophobie. Wer Kritik am Islam formuliert, wird also pathologisiert.

Nach dem gleichen Muster läuft es mit der Xenophobie, der unbegründeten Angst vor Fremden. Wer Einwände äußert, dass uns millionenfache Einwanderung womöglich überfordern könnte, wird gern als „Angstbürger“ geschmäht. Das ist besonders bizarr, wenn es von der fremdenfreundlichsten aller Parteien kommt: den Grünen. Denn ausgerechnet die politische Strömung, die Sorge und Angst um die Zukunft zum Markenkern ihrer Politik gemacht hat (Nuklearenergie, Klimawandel, Genfood etc. pp.), wirft ihren Gegnern vor, sie schürten „dumpfe Ängste.“ Man stelle sich vor, irgendwer würde wagen, die Grünen der Ökophobie zu bezichtigen…

Begriffs-Wirrwarr

Sprachlich und gedanklich ebenso unsauber wie der Gebrauch des Begriffs Phobie ist die allgegenwärtige Rassismus-Unterstellung. Kritik am Islam hat mit Rassismus einfach nichts zu tun, weil Moslems keine „Rasse“ bilden: Türken sind keine Araber, Perser keine Indonesier, Pakistani keine Somali. Der Islam ist keine Rasse, sondern eine Religion. Und deshalb ist Islamkritik auch kein Rassismus. Islamkritik ist Ideologiekritik – eine ehemalige Domäne der linken Intellektuellen.

Es gibt viele Schriftsteller und Wissenschaftler, die sich um eine seriöse Islamkritik bemühen, doch der intellektuelle Diskurs verpufft: Autoren, die wissen, wovon sie sprechen – seien es beispielsweise Bassam Tibi, Ednan Aslan, Seyran Ates, Hamed Abdel-Samad oder Ayaan Hirsi Ali – dringen in linken Milieus kaum durch, alle ihre Warnungen wirken wie in den Wind gesprochen. Selbst dem Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels, Boualem Sansal scheint keiner zuzuhören, wenn er sagt: „Es gibt keine Indizien dafür, dass irgendwo ein aufgeklärter Islam auftaucht“. Der schablonenhafte „Kampf gegen Rassismus, Hetze und Hass“ erstickt jedes Nachdenken. Der Wert des Guten steht gegen die Norm des Wahren. Das ist grotesk, weil genau damit jede Debatte um reaktionäre Tendenzen im Islam ausgeblendet wird.

Doppelmoral

Weniger zimperlich ist man freilich mit der eigenen Religion. Die Erregung bei Missbrauchsfällen im Umfeld der katholischen Kirche, um ein Beispiel zu nennen, ist groß. Das ist durchaus verständlich. Überzeugender wäre freilich, wenn dieselben Empörten überhaupt schon einmal etwas vom Jahrhundert-Missbrauchs-Skandal von Rotherham gehört hätten, der schlimmer war als alles, was je in kirchlichen Knabenchören oder Internaten geschah.

Der milde Blick auf den Islam wird häufig mit der bösen Geschichte des Christentums begründet. Dass es Deutsche, Europäer, „Westler“ geben könnte, die gerade wegen unserer langen, blutgetränkten eigenen Religionsgeschichte keinerlei Interesse verspüren, das Thema Säkularisierung jetzt nochmals neu zu verhandeln, kommt solchen Islam-Verstehern einfach nicht in den Sinn.

Widerstand gegen die Verniedlichung des Islam gibt es innerhalb des linken Lagers nur von den wenigen verbliebenen theoretisch geschulten Köpfen, die natürlich nicht vergessen haben, was Karl Marx einst meinte, als er schrieb: „Die Kritik der Religion ist die Voraussetzung aller Kritik.“ Deshalb findet man z.B. bei einer Sahra Wagenknecht oder etwa einem Slavoj Zizek auch nichts vom üblichen Ethno-Romantizismus, sondern stattdessen scharfen Widerspruch zu einer naiven Zuwanderungs-Politik. Auch eine in ihrem Feminismus so gefestigte Figur wie Alice Schwarzer stimmt nicht mit ein in das Eiapopeia in Sachen Islam, sondern betont seit vielen Jahren, wie frauenfeindlich es in diesem Kulturkreis häufig zugeht.

Selbsthass

Der eher gefühlslinke Mainstream jedoch hört auch solchen Stimmen nicht wirklich zu. Und so erleben wir weiter närrische Paradoxien. Man kann sich in Deutschland etwa entschieden für die Rechte von Homosexuellen einsetzen, aus kultureller Rücksichtsname aber trotzdem darüber hinwegsehen, dass Schwule und Lesben es fast überall unter dem Halbmond äußerst schwer haben. Man kann sich wohlig im eigenen Atheismus einrichten, aber Zwangsbeschneidungen unter Brauchtum subsumieren. Man lebt die eigene Promiskuität fröhlich aus, billigt aber aus irgendeinem absurden gedanklichen Antiimperialismus heraus die drakonischen Strafen, die der Koran für Ehebruch vorsieht.

Es gibt Schulen in Deutschland, da bekommen Lehrer ernsthafte Schwierigkeiten, wenn sie vor die Klasse treten und „Liebe Schüler“ sagen, denn es muss selbstverständlich „Liebe Schülerinnen und Schüler“ heißen. Wenn dann aber bei Zeugnisübergaben Migranten-Jungen oder ihre Väter sich weigern, weiblichen Lehrern die Hand zu geben, gebietet der Respekt vor fremden Traditionen das duldsame Wegschauen. Die Toleranz gegenüber der Intoleranz ist epidemisch. Wie sehr muss man seinem Land eigentlich misstrauen, sich für die eigene Kultur schämen, um zu einer solchen Schere im Kopf fähig zu sein?

Verdammte dieser Erde

Vereinzelt gibt es Sozialisten, die verwegen „linke“ Elemente im Koran, wie etwa das Zinsverbot, aufstöbern. Die eher reaktionären Seiten überschlägt man dann geflissentlich. Auch stößt man auf Linke, die in den Flüchtlingen und Migranten unserer Tage so etwas wie das lange verlorengegangene „revolutionäre Subjekt“ entdecken und deshalb bereitwillig über den religiös-kulturellen Ballast hinwegsehen, den diese Menschen mitbringen. Die „Verdammten dieser Erde“, wie es in der Internationalen heißt, sind endlich da!

Aber selbst solch waghalsige politische Denkfiguren dürfen doch nicht von der aufklärerischen Grundtugend einer gesunden Religions-Skepsis ablenken: „Die Kritik der Religion ist die Voraussetzung aller Kritik“. Vielleicht sollte die Linke mal wieder ein bisschen Karl Marx lesen.

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