Jetzt kommt sie, die Gegenkanzlerin!

Fraktionsvorsitz und Parteivorsitz! Das ist die ideale Position, aus der heraus sich Andrea Nahles ab sofort für den nächsten Bundestagswahlkampf positionieren wird. Sie hat Schulz, den glücklosen Verwalter der Bebelschen Taschenuhr, nach knapp einem Jahr aus dem Weg geräumt. Und ganz nebenbei Malu Dreyer kaltgestellt. Nun greift sie nach dem Kanzleramt.

Bereits am 26. November wagte ich auf diesem Portal die Prognose, dass Andrea Nahles zur neuen starken Frau in der SPD aufsteigt; meine Kolumne war übertitelt: Die Gegenkanzlerin. Diese Prognose trifft nun ein. Und während Martin Schulz im Bundeskabinett ab sofort ausgesaugt wird wie die Stubenfliege von der Gottesanbeterin, sitzt Andrea Nahles fest im Bundestagsplenum. Ganz vorne. Sie wollte der AfD, der nun formell größten opponierenden Fraktion, nicht die Oppositionsführerschaft überlassen. Und das tut sie nicht. Sie wird die wahre Oppositionsführerein sein, und es ist ihr ganz egal, dass ihre Partei regiert. Als Parteivorsitzende hat sie – das vor allem! – den ersten Zugriff auf die nächste Kanzlerkandidatur der SPD. Die wird sie sich nicht nehmen lassen.

Es ist sicher verbürgt, dass die junge Andrea Nahles, eben bei den Jusos eingetreten, in ihrer Schule in Mayen tönte, sie wolle die erste Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland werden. Nun, rund um die Genoveva-Burg im beschaulichen und sehr spießigen Eifelstädtchen wird nun gewitzelt, dass der Plan misslungen sei. Doch zweite Kanzlerin ist auch Kanzlerin. Und die Chancen stehen angesichts einer CDU, die irgendetwas zwischen „leerer Hülle“ und „Kanzlerinnenwahlverein“ ist, sehr gut. Und das muss auch nicht erst 2021 sein. In Auszügen sei daher im folgenden der Text vom 26. November 2017 in Erinnerung gerufen. Nur wenige Worte wurden geändert. Die Prognose steht.

Die Gegenkanzlerin, fecit 26. November 2017

Die SPD steht für Inhalte, das wurde in der letzten Legislaturperiode deutlich. Die meisten ihrer Themen hat sie umsetzen können, und die Wähler haben das mehrheitlich ausdrücklich nicht goutiert. Bezahlt haben dafür beide Regierungsparteien. Die CDU stünde im übrigen auch für Inhalte, aber sichtbar wird derzeit lediglich der Regierungswille, für den die Bundeskanzlerin steht. Nun könnte sich das umdrehen:in der CDU melden sich inhaltlich motivierte Gruppen wie die Werte-Union zu Wort, während in der SPD ein übermächtiger Machtwille heranwächst: der von Andrea Nahles.

Die frischgebackene SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag hat viel von Angela Merkel gelernt – sehr viel. Dass es Martin Schulz war, der im November im Schloss Bellevue die Appelle des parteifreundlich gestimmten, aber formell neutralen Bundespräsidenten in Empfang nahm, war von Anfang an irrelevant. Nahles, die jüngst ihren Vorgänger Thomas Oppermann in bester Merkel-Manier abservierte und auch gleich in die Bedeutungslosigkeit stieß, hat sich bewusst plaziert. In der Rolle der Gegenkanzlerin, in der Rolle der Oppositionsführerin. Und sie braucht die vier Jahre der kommenden Legislatur, um zur ernstzunehmenden Kanzlerkandidatin zu reifen. Und vielleicht nicht einmal die. Der Masterplan der Andrea Nahles ist jetzt klar: spätestens 2021 Rot-Rot-Grün. Denn ihr zweitgrößter Feind ist der „digitale Kapitalismus“ – was sicher verständlich wäre, wenn damit lediglich das soziale Gebaren von Amazon gemeint wäre. Es geht aber um mehr, um eine Art linker Abwicklung der digitalen Ökonomie: Und damit der faktischen Vernichtung der Zukunft des Wirtschaftsstandortes Deutschland um sozialistischer Blütenträume willen. Was mit der – auf die fleischfressende SED-Pflanze aufgepfropften – Linken sicher zu machen ist. Die Grünen werden als schmückende Liane gern mit-, aber nicht wirklich ernstgenommen.

Und falls es dann zum Dschungel in Rot-Rot-Grün doch nicht reicht, würde Andrea Nahles nur zu gerne eine Große Koalition anführen. Natürlich, um ihren größten Gegner, die Union, vorzuführen, ganz so, wie derzeit Frau Merkel Herrn Schulz vorführt. Und natürlich, um die CDU ordentlich „in die Fresse zu hauen“ – oder so ähnlich.

Das jungsozialistische Gen

Auch die Jusos sind gegen eine Große Koalition. Dass sich etwas geändert habe, seit die Jamaika-Sondierungen gescheitert sind, kann der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert im WDR-Interview nicht erkennen. Was er nicht sagt, auch, weil eine willfährige WDR-Moderatorin es ihn nicht fragt: die Jusos sind stramm auf Nahles-Kurs, sie träumen von Rot-Rot-Grün. Und von sonst gar nichts. Die Staatsraison, die aus dem Schloss Bellevue angemahnt wird, ist ihnen ohnehin fern. Das hat im übrigen ihre Ex-Vorsitzende, die 2021 so gerne Bundeskanzlerin würde, einst explizit vorgelebt.

Doch eine erneute Gosse Koalition könnte auch eine Chance für Andrea Nahles sein. Angela Merkel, die momentan noch amtierende Bundeskanzlerin, würde Martin Schulz bald und zuverlässig entsorgen. Er würde nicht das erste, aber das sicherste Merkel-Opfer in einer erneut großkoalitionären SPD. Der Besuch beim Bundespräsidenten ist – so oder so – sein Metzgersgang. Und überhaupt: Was ist nur aus dem EU-Parlamentspräsidenten geworden. Uns dämmert es: wie überschätzt war damals, wie überschätzt war er als Kanzlerkandidat! Sein politisches Wirken wird zur Tragödie für die SPD.

Der Marschallstab im Tornister

Umso sicherer scheint der Aufstieg für Frau Nahles. Früh schon war sie politisch äußerst aktiv, was sich in der erwähnten Tatsache, dass sie als Schülerin und Juso-Nachwuchshoffnung in ihrer Eifel-Heimatstadt Mayen durch das Klassenzimmer krähte, sie wolle die erste Bundeskanzlerin in Deutschland werden. Was bekanntermaßen misslang, doch ihren brachialen Machtwillen, den schon damals die Mitschüler erkannten, den hat sie sich bewahrt. Und sie möchte nicht wie Schulz enden. Und erst recht nicht wie Sigmar Gabriel. Nahles hat genug politischen Instinkt, um zu verhindern, dass sie im Verlauf der nächsten vier Jahre ein Merkel-Opfer in einer großkoalitionären SPD werden könnte.

2017 oppositionelle Gegenkanzlerin, 2021 Merkel-Nachfolgerin – das ist und bleibt der Nahles-Plan. Von Martin Schulz ist schon nicht mehr die Rede. Wenn von einer gewissen Gruppe in der SPD-Führung die Rede war, die Parteichef Schulz zum Rückzug vom Parteivorsitz bewogen hat, wurde darin der Name Nahles immer genannt. Aber nie an erster Stelle. Eine gute Machtpolitikerin weiß, wie lange sie die eine Karte im Spiel bedeckt halten muss, auf die es ankommt: die der Königin.

Bei der nächsten Bundestagswahl wird mit Andrea Nahles zu rechnen sein, so oder so. Als Frau, die mit aller Macht Bundeskanzlerin werden möchte, wird ihr schon etwas einfallen, nützliche Vorbilder gibt es genug. Wie zum Beispiel Dutzende von hoffnungsvollen Parteifreunden elegant einen Kopf kürzer gemacht werden, das konnte sie bei ihrer Vorgängerin im Kanzleramt erleben. Aber es ist noch zu früh, um nach der Macht zu greifen, denn die demoskopischen Werte der SPD sind zu schlecht. Deshalb wollte Nahles auch eigentlich in diesem Jahr keine Regierungsbeteiligung ihrer Partei, sondern lieber aus der Opposition heraus die Union „in die Fresse hauen“ und populäre Pluspunkte sammeln. Nachdem nun doch die „Groko“ kommt, ist eine Spagat bis zum Zerreißen vorhersehbar, denn für die SPD sitzt die Riege der Gestrigen auf der Regierungbank, die kommende Frau sitzt ihnen gegenüber und nimmt faktisch die Rolle einer Oppositionsführerin wahr. Die letzten Reste sozialdemokratischer Glaubwürdigkeit dürfte alsbald dahinschmelzen wie Schnee in der Fühlingssonne.

Andrea Nahles hat bei Angela Merkel, wie gesagt, viel gelernt. Möglicherweise auch, wie man eine Volkspartei ruiniert und selbst an der Macht bleibt. Sie weiß genau, warum sie – vorläufig! – nicht auf die Regierungsbank möchte: Alle, die dort sitzen, werden ausgesaugt und verbrannt. Nahles regiert ab sofort in der SPD. Und wahrscheinlich bald in Deutschland.

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