Wer dreht denn da am Aktienkurs?

Die Mehrzahl der Beobachter rechnete mit einem Abschmieren der Commerzbank-Aktie, doch das Gegenteil trat ein. Das Bank-Papier stieg rasant und hält sich über elf Euro. Eine glatte Verdopplung des Kurses in zwölf Monaten. Der Grund: Cerberus ist da, ein Hedge-Fonds, der den Namen des mythologischen Höllenhundes trägt. Offiziell will Cerberus nur eine Minderheitsbeteiligung. Wirklich?

Der US-Großinvestor Cerberus strebt eine bedeutende Minderheitsbeteiligung an der Commerzbank an. Zuerst hatte das in der letzten Woche Bloomber gemeldet. Cerberus soll begonnen haben, die Anteile an Deutschlands zweiter großer Geschäftsbank über den Markt zu erwerben. Als Grund für den Einstieg, über den freilich noch spekuliert wird, ist zu hören, dass sich der Ausblick für die europäische Bankenbrache langsam, aber stetig verbessere und dass Cerberus an dieser Aufwärtsbewegung teilhaben wolle.

Ein Coup ist dem bankenfreundlichen US-Investor bereits gelungen: eine Beteiligung an der österreichischen Bawag konnte unter Dach und Fach gebracht werden. Doch Cerberus versucht auch in weiteren Fällen, sein Engagement zu erweitern, man war unter den potentiellen Käufern für die HSH Nordbank, kam aber nicht zum Zuge. Der mögliche Einstieg von Cerberus sollte dem Kurs der Commerzbank-Aktie weiter Rückenwind geben. Die Aktivitäten zeigen deutlich, dass europäische Bankaktien für US-Investoren wieder interessant sind. Zudem ist die Cobank-Aktie mit einem Kursplus von 50 Prozent seit Jahresbeginn die beste Aktie im Bloomberg Europe 500 Banks and Financial Service Index. Die fundamentale Bewertung kann trotz der jüngsten Kursgewinne, die zum Wochenausklang stabil blieben, noch als günstig bewertet werden. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis beträgt moderate 0,5; die Konkurrenz landet im Schnitt bei 0,9.

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Konzernumbau bei der Commerzbank beginnt

Die günstigen Fundamentaldaten werden von konkreten Ereignissen und Ergebnissen flankiert. Es dürfte Anleger sehr beruhigen, dass sich die die Vertreter des Commerzbank-Managements mit den Arbeitnehmervertretern auf die Eckpunkte eines Konzernumbaus geeinigt haben. 7.300 Vollzeitstellen sollen demnach wegfallen. Damit hat der Vorstandsvorsitzende, Martin Zielke, eine wichtige Etappe beim Konzernumbau erreicht. Bereits unmittelbar nach der bevorstehenden Sommerpause soll der Umbau beginnen. Als Mindestabfindung wurden 20.000 Euro oder wahlweise sechs Monatsgehälter festgelegt. Als Rückstellungen für die Abfindungen sind im laufenden Quartal mit 810 Millionen Euro zu finden.

Die Digitalisierung zentraler Prozesse ist es vor allem, die bei der Commerzbank für neue Möglichkeiten sorgt. „Bis zum Jahr 2020 will die Commerzbank 80 Prozent der relevanten Prozesse automatisiert haben. Statt aktuell 41.600 Vollzeitstellen sind dann nur noch 36.000 nötig. Die Kostenquote – sie gibt an, wie viel Cent von jedem verdienten Euro für Aufwendungen ausgegeben werden – soll dann bei unter 66 Prozent liegen“, berichtet Der Aktionär. Für das erste Quartal 2016 liegt diese Zahl bei 86,2 Prozent. Die fehlenden 20 Prozent sollen durch eine bessere Nutzung digitaler Technik angestoßen und durch die dann mögliche Einsparung in der Zahl der Mitarbeiter realisiert werden.

Für 2017 wird ein Gewinn erwartet

Der Einmaleffekt aus dem Konzernumbau wird die Bilanz für das zweite Quartal in die Verlustzone drücken. Danach werden allerdings keine weiteren Lasten mehr die Bilanz und den Aktienkurs belasten, und für das Gesamtjahr 2017 ist weiterhin ein Gewinn zu erwarten, was wichtig ist für die Erwartungen an mögliche Dividenden. Positiv wurde von den Marktteilnehmern aufgenommen, dass ursprünglich Rückstellungen in Höhe von 1,1 Milliarden Euro eingeplant waren, die nun deutlich unterschritten werden. Die Aktie der Commerzbank stieg letzthin deutlich über der Marke von elf Euro und hält sich dort tapfer. Die positiven Meldungen vom Konzernumbau und die Aussicht auf steigende Zinsen in der Eurozone sollten weiterhin Rückenwind verleihen. Ein weitere Anstieg des Papiers um nochmals 25 Prozent würde keine Überraschung sein, die gleichfalls möglichen Einbußen in derselben Höhe sind weniger wahrscheinlich. Anleger sollten beim Arrondieren des Depots in den kommenden Woche die Commerzbank nicht außer Acht lassen.

Diese Kolumne erschien zuerst in der BÖRSE am Sonntag.

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