„Wie eine Ladung Nitroglycerin“

Star-Investor Bill Gross hält die Trump-Rallye an den Aktienmärkten für höchst gefährlich. Er sieht gewaltiges Rückschlagspotential und setzt die momentane Lage in Relation zur Finanzkrise von 2008, sie erscheint ihm „wie eine Ladung Nitroglycerin auf holpriger Straße“. Doch die größte Gefahr geht, so Gross, nicht von den Akteuren am Finanzmarkt aus. Und nicht von Donald Trump.

Mit der von ihm gegründeten Vermögensverwaltung Janus Capital machte er Furore, für die Allianz, AG, die sein Unternehmen übernahm, war er der Renditenmaximierer, die Investment-Legende, der „Anleihenguru“. Nun warnt er in seinem jüngsten „Investment Outlook“ vor einem weltweiten Börsencrash. Und der neue US-Präsident ist nicht sein „bad guy“, wie die BÖRSE am Sonntag berichtet.

Sehr bemerkenswert, dies vorweg, ist indes die Haltung, die Gross zum neuen US-Präsidenten Donald Trump einnimmt. Der Star-Investor, der einst im Auftrag der Allianz nach Renditemöglichkeiten suchte, kritisiert eine unreflektierte Begeisterung, die er bei Investoren für den neuen US-Präsidenten sieht. „Lassen Sie sich nicht von der Illusion eines Wirtschaftswachstums von drei bis vier Prozent sowie den magischen Wohltaten von Steuersenkungen und Deregulierung in Versuchung führen“, warnt Gross.

Es kann schon stutzig machen: Die Börsenindizes in den USA sind seit dem unerwarteten Wahlsieg der Republikaner kräftig gestiegen und bewegen sich derzeit im Bereich ihrer jeweiligen Allzeithochs. Viele Anleger hoffen offenbar darauf, dass Trumps Politik das Wirtschaftswachstum kräftig ankurbeln und so für weitere Kursgewinne am Aktienmarkt sorgen wird. Eigentlich kann das nicht gut gehen, das fühlen sehr viele Marktteilnehmer – doch kaum jemand scheint danach zu handeln.

Einer spricht es nun aus. Und es ist ausgerechnet Bill Gross, der „Anleihenguru“! Er ist fest davon überzeugt, dass Trump seine ökonomischen Versprechen nicht erfüllen wrid – weil er es nicht kann. Folgerichtig warnt er vor deutlichen Verlusten an den Märkten, zu deutsch: Vor einem handfesten Crash!

Das eigentliche Risiko

Doch ist Trump nun wirklich das große Risiko, das die Börsen zum Beben bringen wird? So sehr der Investment-Leuchtturm Gross den neuen Präsidenten der USA auch kritisiert: Für ihn ist nicht Trump das größte Kursrisiko an den Märkten. Die weltweite Verschuldung sieht er stattdessen als die eigentliche Gefahr an. Völlig zutreffend weist er darauf hin, dass der weltweite Schuldenberg derzeit größer ist als zu Beginn der Finanzkrise im Jahre 2008. In den USA entsprechen dabei die ausstehenden Kredite in Höhe von 65 Billionen Dollar dem dreieinhalbfachen der jährlichen Wirtschaftsleistung. Der Finanz-Tycoon bringt die Lage auf einen griffigen Vergelich: „Unser stark kreditfinanziertes System ist wie eine Ladung Nitroglycerin auf einer holprigen Straße.“

Ein einziger Fehler, so Gross, könne eine Kredit-Implosion auslösen, wenn Gläubiger plötzlich gleichzeitig ihr Geld zurückverlangen würden. Das würde ja geschehen, wenn sie ihre Investitionen in Aktien, Anleihen und Hypotheken loswerden wollten, und nichts anderes sei auch 2008 passiert. Damals hätten die Zentralbanken die Leitzinsen drastisch senken und im Rahmen von ultra-lockerer Geldpolitik Billionen ins Finanzsystem pumpen müssen. Der Bankrott der weltweiten Finanzsysteme sei damals durch diese schnellen und drastischen Maßnahmen abgewendet worden.

Und heute? Bill Gross erhebt warnend die Stimme: Im Jahre 2017 seien die Notenbanken nicht mehr in der Lage, Nothilfe wie 2008 zu leisten. Die Zinsen seien weltweit nahe null, manchmal sogar negativ. Außerdem sei die ultra-lockere Geldpolitik längst an ihre Grenzen gestoßen. „Die US- und die Weltwirtschaft bewegen sich auf einem schmalen Grat“, schreibt der Investor. „Seien Sie mehr darüber besorgt, ob Sie ihr Geld wiederbekommen – und nicht so sehr darüber, wieviel Sie für Ihr Geld bekommen.“

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