Wenden wir uns, egal wohin

Es geht um Energie, aber nicht die von der produktiven Sorte. Die haben wir offenkundig in Deutschland nicht mehr nötig, denn wir müssen ja nur verteilen, nicht erzeugen. Doch das ist leider der Trugschluss.

Um es vorwegzunehmen: Das Land wird trotz seiner völlig verkorksten Politik, insbesondere auf dem Gebiet der Migration und der Energieversorgung, nicht untergehen. Es wird einen Weg geben aus den Kalamitäten – nur, leider, leider, kostet der ein bisschen mehr als nötig wäre. Schade eigentlich, denn aufgrund seiner Exportleistung wäre Deutschland eigentlich in einer komfortablen Position; sagen wir mal, wenn es das Finanzministerium nicht gäbe – aber nein, das ist ungerecht. Der Finanzminister ist ja auch nur Hilfsorgan der herrschenden Kräfte. Jedenfalls, und das ist betrüblich für die Politik, gibt es hin und wieder Hinweise und Erkenntnisse, die auf schwer zu leugnender Basis aufbauen und zu Erkenntnissen führen. Ja, leider. Die schönsten irrealen Pläne, seien sie aus der Ideologie geboren oder der Utopie, oder der Phantasie, können unvermittelt zerrupft werden. Einziges Mittel dagegen: Sofort in Zweifel ziehen.

Und das ist genau das, was dem Werk des Ingenieurs Frank Hennig widerfahren wird, ist es erst einmal bekannt genug. Der pensionierte Kraftwerksingenieur ist kein Junger Wilder, kein Kapitalistenknecht und kein Systemveränderer oder linker Spinner. Und er ist auch nicht „rechts“, was zwar ein Totschlagkriterium, aber nicht näher definiert ist. Frank Hennig hat eine Sammlung von Aufsätzen herausgegeben, die sich unter dem Rubrum „Dunkelflaute“ mit dem Schrecken der sogenannten Energiewende auseinandersetzen. Erschienen in der Edition Tichys Einblick beim Finanzbuch Verlag in München, seziert der Kraftwerksexperte unsere Energiewende. Leider.

Wären wir doch unwissend geblieben!

Hätten wir doch nur weiter denken können, die Methode hätte Wahnsinn – statt umgekehrt! Allein, es wird uns nicht gestattet. Abseits von Volt, Watt, Ampere, Ohm (ohne die gibt’s keinen Strom) bleibt uns nach der Lektüre all der Bedingtheiten des Gewinnens alternativer Energie nur die Schlussfolgerung, dass der Dadaismus am Ende gewonnen haben muss. Realität ist nur eine Schimäre. Leider wandern so viele Junge aus, nicht die Älteren, hört man allenthalben seufzen – sonst würde Hennig vielleicht auf Mauritius publizieren. Dem ist nicht so, denn diese Insel geht ja bald unter, wenn wir weiter im Winter heizen und bei Sonne stromern wollen. Wer will da unter den Todgeweihten sein?

Nun ja, Hennigs nüchterne Worterklärungen von „Offshore-Haftungsumlage“ bis „Phasenschiebertransformator“ lassen keine Wünsche offen. Und hinter den Begriffen verbirgt sich mehr kluger Geist als eine „Ethikkommission“ zu ertragen in der Lage wäre. Einfach mal physikalische Gesetzmäßigkeiten in Erinnerung gerufen, das reicht schon, um unser Alltagsgeschwafel ins Reich des Nirwana zu schicken. Leider bleibt es da nicht. Es findet Gläubige, genau wie ein vermeintlich messbares Weltklima (was immer das sein soll) jemanden zu seinem Schutz braucht: Wir werden mit diesem Mysterium leben müssen, denn ehe der Wahn verpufft, geht gern mal ein Menschenalter herum. Der Hexenwahn überlebte immerhin fünf Jahrhunderte.

Also: Die ganze hölzerne „Des-Kaisers-neue-Kleider“-Verfassung unserer Republik offenbart sich in diesem Buch. Es wiederum verlangt nach einer Fortsetzung: Warum nur, warum verirrt sich eine saturierte Nation auf einen selbstmörderischen Pfad des ungehobelten Wahnsinns? Ist es die Rache einer unbekannten höheren Macht, oder nur der Weg alles Irdischen? So wie schon immer in der Geschichte der Schwachköpfige dem Innovativen weichen musste? Frank Hennig würde sich hüten, dies zu bestätigen oder zu dementieren. Manche der von ihm zitierten Beispiele aus den aktuellen Medien, darunter prominent „Der Spiegel“, lassen dies aber für wahrscheinlich halten. Man wünschte so sehr, Hennig hätte sich verrannt. Aber, leider, es sieht nicht danach aus.

Frank Hennig
Dunkelflaute – oder: warum Energie sich nicht wenden lässt
Finanzbuch Verlag München, Edition Tichys Einblick, 1. Auflage 2017
Mit einem Vorwort von Roland Tichy und einem Nachwort von Enoch zu Guttenberg

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