Trolle lieben nur sich selbst

Was geht in den Köpfen der Menschen vor, die im Netz rüpelhafte Kommentare hinterlassen?

Kennen Sie Internet-Trolle?

Sicher haben Sie schon mindestens einmal ein Exemplar gesehen. Falls nicht, suchen Sie einfach unter einem beliebigen Artikel im Internet. Sie werden sehr schnell fündig: Scrollen Sie einfach herunter. Jede Wette, dass Sie unter dieser Kolumne einen finden können.

Trolle sind diejenigen unter uns, die gerne wütende oder besserwisserische Kommentare im Netz hinterlassen. Dabei ist das, was man liest, oft noch „harmlos“. Was diejenigen zu lesen bekommen, die solche Internetkommentare moderieren und freischalten (oder nicht), ist häufig sogar strafrechtlich relevant. Auch Morddrohungen sind keine Seltenheit.

Wer nun aber glaubt, dass die Trolle niemanden lieben würden, der irrt. Auch die Trolle lieben. Und keiner von ihnen wird am heutigen Valentinstag ohne seine Liebe sein müssen, denn der Troll – ja, wen wundert’s?! – der Troll liebt sich selbst.

Das bescheinigt nun eine neue Studie aus Kanada von Erin Buckels, Paul Trapnell und Delroy Paulhus. „Trolls just want to have fun.“

418 Probanden haben Fragen zu ihrem Online-Kommentarverhalten beantwortet sowie Fragen aus Persönlichkeitstests. Dabei bekannten sich 5,6 Prozent offen zum Trollen. 23,8 Prozent gaben an, sich im Netz hauptsächlich für als persönlich wichtig empfundene Debattenthemen zu interessieren, 21,3 Prozent gaben an, zu chatten – und alle anderen kommentierten laut eigenen Angaben gar nicht oder anders.

Sadistische oder narzisstische Neigungen

Die offen als Trolle geouteten Probanden zeigten im Persönlichkeitstest die auffälligsten Ergebnisse. Je länger sie sich im Netz aufhielten, desto häufiger bescheinigten ihnen die Ergebnisse narzisstische und sadistische Persönlichkeitsstörungen. Aber auch die Gruppe derer, die sich an politischen Debatten beteiligten, erzielten hohe Werte bei den Fragen zu ihren sadistischen oder narzisstischen Neigungen.

Ein Mensch mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung hat meist einen überhöhten Selbstwert und möchte auch so behandelt werden. Sie erwarten Aufmerksamkeit von ihrer Umwelt und sind darum auch der Meinung, dass ihr Internetkommentar in irgendeiner Form bedeutend ist.

Sie gehen davon aus, dass ein Artikel im Netz erst fertig ist, sobald ihr eigener Kommentar darunter steht. Ein Narziss ist in der Regel überzeugt davon, im Recht zu sein. Während ich hier zum Beispiel eventuell etwas Falsches schreibe, werden Sie unten in den Kommentaren keinen Fehl finden. Der narzisstische Internettroll will nicht diskutieren, sondern belehren. Über Zweifel ist er erhaben.

Oft äußert sich Narzissmus auch in manipulierendem Verhalten. Bleibt zu zweifeln, ob die Studie mit ihren 418 Teilnehmern, die Online-Fragebögen beantwortet haben, tatsächlich eine Realität abbilden kann. Vielleicht haben bei der Beantwortung der Fragen ja auch einige massiv getrollt und versucht, die Ergebnisse zu manipulieren.

Wer weiß?! Ich gebe ab an die Trolle.

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