Wer den Molch nicht ehrt, ist die Autobahn nicht wert

Wer den Schaden verursacht, muss seine Behebung auch bezahlen. Das Verursacherprinzip hat sich bewährt, denn es fördert den Artenschutz – und auch den Erhalt der Natur für kommende Generationen. Wer den Molch schützt, hilft also auch den Menschen.

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cc-by-sa German Meyer

Molch gegen Autobahn: Mit dieser Gegenüberstellung macht Hessens Verkehrsminister Dieter Posch eine Milchmädchenrechnung auf. Der Erhalt der biologischen Vielfalt ist eine Zukunftsinvestition für den Menschen. Der Verkehrsminister hat selbst im UN-Jahr der biologischen Vielfalt noch nicht begriffen, dass der Schutz der Artenvielfalt eine entscheidende wirtschaftliche Grundlage für die künftige Entwicklung unseres Wohlstands darstellt. Das Beispiel des Tunnelbaus an der A44 zeigt zudem, dass sinnvolle Lärmschutzmaßnahmen zum Wohle der Anwohner oft erst im Zuge von Naturschutzauflagen umgesetzt werden. Mit dem Bau des Tunnels werden sowohl Kammmolch als auch Anwohner geschützt.

Fünf Billionen US-Dollar durch Umweltzerstörung

Der wirtschaftliche Verlust durch mangelnden Natur- und Umweltschutz lässt sich klar beziffern. Die kürzlich erschienene TEEB-Studie (The Economics of Ecosystems and Biodiversity) hat nachgewiesen, dass sich die wirtschaftlichen Schäden der globalen Umweltzerstörung und des damit verbundenen Artenverlusts auf jährlich etwa fünf Billionen US-Dollar belaufen. Für Hessen sind das umgerechnet 540 Millionen Euro pro Jahr. Dabei sind die sozialen und ökologischen Kosten noch gar nicht mitgerechnet. Jeder Euro, der in den Naturschutz investiert wird, sichert die Zukunft unseres Landes.

Wenn der Verkehrsminister wirklich Geld sparen will, kann er unsinnige Straßenbauprojekte wie die geplante B87n zwischen Fulda und Meiningen streichen oder den Weiterbau der A49 von Stadtallendorf kostengünstig über Marburg trassieren lassen. Viel Geld lässt sich auch einsparen, wenn im Vorfeld von Bauvorhaben Planungsfehler vermieden werden. Oft gelingt es nur durch den Naturschutz, Verkehrsplanern die Augen für die Unsinnigkeit eines Straßenbauvorhabens zu öffnen. Das beste Beispiel ist die mittlerweile gestoppte A4 von Olpe nach Hattenbach, die durch den massiven Widerstand der Naturschutzverbände beerdigt wurde. Das von Posch vorangetriebene Straßenprojekt hätte bis zu 1,8 Milliarden Euro verschlungen und wäre nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich völlig unsinnig gewesen.

Die Lebensgrundlagen des Menschen sind ihm offenbar völlig egal

Die von Posch kritisierten Artenschutzauflagen folgen Regeln, die in jedem anderen Lebensbereich selbstverständlich sind: Wer einen Schaden anrichtet, muss ihn nach dem Verursacherprinzip wiedergutmachen. Diese Eingriffsregelung wurde schon 1976 im Bundesnaturschutzgesetz eingeführt und hat sich seitdem bestens bewährt.

Mit seinem Versuch, die nationalen und EU-weiten Richtlinien zum Erhalt der biologischen Vielfalt aufzuweichen, erweist sich der hessische Verkehrsminister als Dinosaurier des politischen Geschäftes. Posch hat sich seit den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts in seinen Vorstellungen und politischen Forderungen keinen Zentimeter weiterentwickelt.

Die Lebensgrundlagen des Menschen sind ihm offenbar völlig egal. Naturschutz mit Augenmaß betreibt nur derjenige, der die nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft und damit die Sicherung unserer Lebensgrundlagen im Blick hat. Wer wie Posch nur auf den Maximalismus der Ökonomie setzt, ruiniert nicht nur die Natur, sondern auch die Zukunft unserer Kinder.

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