Mich nervt die Pose vieler Untergangspropheten

Meine Kritik an der Merkel´schen Grenzöffnung war kein Fehler, hier lag ich komplett richtig. Allerdings bin ich wesentlich optimistischer als noch kürzlich, was die Integrationskraft unseres Landes angeht und ebenso die Bereitschaft vieler Flüchtlinge, ein Bestandteil unserer Gesellschaft zu werden.

„You know what a Kansas City Shuffle is? When everybody looks right, you go left.“

Im zu Unrecht unterschätzten filmischen Meisterwerk Lucky Number Slevin von 2006 spielt Bennie Motens Textzeile eine zentrale Rolle. Oder simpler: Es kommt anders als man denkt.

Schaue ich mir meine Artikel der letzten Monate an, muss ich sagen, dass ich einige Male übers Ziel hinausgeschossen und Fehler gemacht habe. Oft lag ich komplett daneben. Eines vorweg: meine Kritik an der Merkel´schen Grenzöffnung war kein Fehler, hier lag ich komplett richtig. Allerdings bin ich wesentlich optimistischer als noch kürzlich, was die Integrationskraft unseres Landes angeht und ebenso die Bereitschaft vieler Flüchtlinge, ein Bestandteil unserer Gesellschaft zu werden. Keine Frage: sehr viele werden hier nicht integriert, weitgehend aus mangelnder eigener Bereitschaft, aber die meisten werden es schaffen.

Es ist nicht zu übersehen, dass gerade viele Syrer durchaus dankbar sind und sich redlich Mühe geben. Schaut man in die Schulen, bin ich sehr optimistisch, dass ähnlich wie aus den vietnamesischen und deutsch-russischen Einwanderern gut integrierte Bürger werden. Da aber von Ende 2015 bis Anfang 2016 unkontrolliert Hunderttausende kamen, unter ihnen auch viele Kriminelle aus Nordafrika, ist die schrankenlose Einwanderung als große unnötige Fehlentscheidung vonseiten des Kanzleramtes zu sehen. Die kulturelle Differenz zu Afrika und Arabien ist recht groß. Man muss nicht jeden Menschen aufnehmen, der gern käme.

Als Einwanderungsland benötigen wir keine Menschen ohne besondere Fähigkeiten. Die Grenzen Europas müssen, auch auf dem Seeweg nach Italien, geschützt werden. Daran gibt es nichts zu deuten.

Mich nervt die Pose vieler Untergangspropheten

Dennoch nervt mich die Pose vieler Untergangspropheten, die unser Land auf dem Holzweg sehen. Es ist ermutigend, dass unter den arabischen Frauen auch viele selbstbewusste sind. Man kann es nicht übersehen, wie viele ermutigende Zeichen es gibt. Fördern und fordern sollte das Prinzip bleiben. Keine Mätzchen der Sozialarbeiterindustrie. Ja, es gibt diese Industrie ehemaliger Soziologiestudenten, die jetzt an weiterer unkontrollierter Zuwanderung Interesse haben.

Aber es gibt auch andererseits eine Industrie von Untergangspropheten, die im Grunde auch kein Interesse am Ende des Stroms haben und an einer konstruktiven Lösung. Beide Gruppen bringen mich schlecht drauf.

Nicht zurückzunehmen ist die Kritik an unfähigen Ministern wie von der Leyen und Heiko Maas sowie an der Tendenz weiter Teile der Presse, wohlwollend über Fehlentwicklungen hinwegzusehen, wenn sie von Migranten begangen worden sind.

Insgesamt wird es mit der Wahl Macrons zu einem Reformboom in Kontinentaleuropa kommen. Trump und May sind auf dem Holzweg. Allein diese Entscheidungen der Briten und US-Amerikaner werden Deutschland Auftrieb geben. Schlechte Laune als Pose reicht nicht aus, um ein Land voranzubringen.

Mehr aus der Kolumne

Esser ist besser

Medium_3dd2e1762e

Der deutsche Michel wählt die Union

Mit der asymmetrischen Demobilisierung ist es heute nicht anders. Gemeint sind CDU-Wähler. Bedeutet diese Etikettierung ein Synonym für treudoofe und nützliche Idioten? Vielleicht ist dies zu hart, aber es handelt sich zweifelsohne bei dieser Zuweisung um so etwas wie den deutschen Michel. Genau diese Menschen wählen die Union.

Medium_ad53661973

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen ist eine Katastrophe

Im Privatfernsehen filmt man lieber Schlichtbürger beim Verwahrlosen. Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, das mit Ausnahme des Presseclubs und des Senders Phoenix eine Katastrophe ist, spezialisiert man sich auf die Wahlkampfeinstimmung. Vier weitere Jahre Merkel wollen orchestriert werden.

Medium_b4d7f4a0ab

Ehe für alle? Also Doppelehe für Bisexuelle?

Homosexualität war in den 1950er Jahren nicht nur verpönt, sondern auch strafbar. Mit der Ehe für alle hat die Gleichberechtigung der sexuellen Orientierungen ihr scheinbares Ende erreicht. Ist das so? Was ist mit Bi-Sexuellen? Da sich Homo- wie Heterosexuelle ihre Orientierung genauso wenig ausgesucht hatten, muss gleiches Recht auch für Bisexuelle gelten, fragt Hans-Martin Esser.

comments powered by Disqus