Wirklich nachhaltig sind nur „Spießer"

Diejenigen, die stets dem neusten Nachhaltigkeits-Schrei nachlaufen, meinen es sicherlich gut, sitzen aber häufig reiner Symbolpolitik auf. Wirklich ökologisch lebt laut Institut für Demokratieforschung übrigens das sogenannte „traditionsverwurzelte Milieu“. So bezeichnen Sozialwissenschaftler die Leute, die man gemeinhin „Spießer“ nennt.

Pünktlich zum G 20 Gipfel in Hamburg ertönen die beliebten Nachhaltigkeits-Gesänge. Alle und jeder wollen nachhaltig sein, am besten inklusiv nachhaltig, oder sogar exklusiv nachhaltig, etwa durch den Erwerb eines Luxusautomobils der Marke Tesla. Mutig ganz oben auf der Welle surft wie immer die Kanzlerin, mit einem ihrer unnachahmlichen semantischen Rätsel: „Wir wissen, dass dieses Jahr der Bundestag zu wählen ist; und es bleibt zu wünschen, dass Nachhaltigkeit auch in der nächsten Legislaturperiode Leitprinzip bleibt. – Ich glaube, damit habe ich als Kanzlerin einer großen Koalition nichts Falsches gesagt“. Der Zuhörer weiß nach so einer Aussage gar nix, vor allem nicht, was Nachhaltigkeit sein soll. Aber vielleicht ist ja genau das die Absicht.

Auch „Spiegel Online“ hilft in Sachen Nachhaltigkeit nur begrenzt weiter. Dort wurde allen Ernstes geschildert wie Kuba „zum nachhaltigsten Land der Welt“ geworden sei. Voller Begeisterung beschreibt der Bericht, wie Castro seine Untertanen zum Energiesparen „erzogen“ habe. Ein kubanischer Haushalt verbrauche nur etwa ein Achtel der Energie eines US-Haushaltes heißt es weiter, weil man mit der „Revolucion Energetica“ aus der Not eine Tugend gemacht habe. Der Text wimmelt nur so vor lachenden, klatschenden und sich im Rhythmus wiegenden Menschen, die einige Parolen „sogar mitsingen“. Ganz besonders eindrucksvoll wird das Provinzstädtchen Cárdenas“ geschildert, in dem das Fahrrad als „Symbol des ökologischen Fortschritts“ mit einem Denkmal geehrt worden sei. „Wir haben Hunderte Pferdekutschen, die feste Routen fahren und jeweils zwölf Personen fassen, dazu Ochsenkarren, die Lasten transportieren und schätzungsweise 100.000 Fahrräder“, wird ein vom kubanischen Fortschritt hingerissener Bürger der Stadt zitiert.

Das geistige Rüstzeug für solche Elaborate liefern seit Jahrzehnten zeitgeistige Wachstumskritiker. Etwa der Oldenburger Ökonom Niko Paech. Sein Buch mit dem euphemistischen Titel „Befreiung vom Überfluss“ ist ein Bestseller unter Kapitalismus- und Wachstums-Kritikern und hat ihn zu einem Darling der Medien gemacht. Paech schwebt darin eine Welt mit einer „Postwachstumökonomie“ vor, die zum Tauschhandel zurückkehrt und statt neue Waren zu produzieren alte Produkte repariert. „An genügsameren und sesshafteren Lebensstilen führt kein Weg vorbei,“ sagt Paech und entwirft eine Gesellschaft, die nur noch 20 Stunden in ihrem alten Beruf arbeitet und den Rest der Zeit damit verbringt, gemeinsam Gemüse anzubauen und Löcher in den Socken zu stopfen.

Nicht fehlen darf auch die vermeindliche Gezeitenwende durch „Peak Oil“, die das endgültige Ende der fossilen Brennstoffe ankündige. Und dieses Argument führt Paech ausgerechnet in einer Zeit an, in der die fossilen Brennstoffe der Welt durch neue Gasfunde und neue Fördermethoden wie Fracking geradezu explodieren. Während sie in Kuba Fahrräder reparieren, ist der Erzfeind USA der am schnellsten wachsende Ölproduzent der Welt und zum ersten mal seit 60 Jahren wieder ein Netto-Exporteur von raffinierten Erdölprodukten. Amerika ist praktisch unabhängig von Energie-Importen. Ganz im Gegensatz zu Deutschland, das ohne Putins Gas und Atomstrom von verantwortungslosen Ausländern aufgeschmissen wäre.

„Ich glaube nicht an den technischen Fortschritt“, sagt Paech, das Wohlstandsmodell sei aufgrund seiner chronischen Wachstumsabhängigkeit „unrettbar verloren“. Paech will jede zweite Autobahn dicht machen, drei von vier Flughäfen schließen und die Freiheit der Menschen – selbstverständlich zu ihrem Wohl – radikal einschränken, pardon: sie „vom Überfluss befreien“. Wer sich so etwas probehalber einmal ansehen will, der kann von Kuba weiter nach Nordkorea reisen, wo sogar energiesparend gehungert wird.

Dass dort ebenfalls gütige Führer mit der nachhaltigen Ertüchtigung des Volkes beschäftigt sind, wissen wir von der 2002 verstorbenen Schriftstellerin, einstigen Nationalsozialistin und Kandidatin der Grünen für das Amt des Bundespräsidenten, Luise Rinser. Die beschrieb vor einem Viertel Jahrhundert (in der Zeitschrift „Natur“) den damaligen Diktator Kim II Sung, neben Stalin und Pol Pot wohl einer der grausamsten kommunistischen Diktatoren des 20. Jahrhunderts, als nachhaltiges Vorbild: „Ein halbes Jahrhundert Erziehung des koreanischen Volkes müsste ein international wirksames Beispiel werden.“

Demokratie, Wachstum und Wohlstand sind irgendwie unökologisch, lernen wir aus solchen Beiträgen. Der bekannte Sozialwissenschaftler und Publizist Meinhard Miegel, der den Nachhaltigkeits-Diskurs in Deutschland ebenfalls stark prägt, erkennt zumindest gewisse Fortschritte an: „Umweltverwüstungen wie sie noch vor wenigen Jahrzehnten an der Tagesordnung waren, sind zumindest in den entwickelten Ländern heute kaum noch möglich.“ Ansonsten stößt er – nur in etwas homöopathischeren Dosen – in das gleiche Horn wie sein Kollege Paech: „Zum anderen wirtschaften alle, die es wie wir geschafft haben, die satt gekleidet und behaust sind und Zugang zu den Kulturgütern der Menschheit haben, weit außerhalb der Belastungsgrenzen der Erde.“ Woraus Miegel er den Schluss zieht: „Es wird noch großer Forschungsanstrengungen und spürbarer Einschränkungen bedürfen, ehe eine Form des Wirtschaftens erreicht ist, die das Prädikat ‚nachhaltig‘ verdient.“

Die Pop-Version der Nachhaltigkeit

Der Begriff Nachhaltigkeit, oder international „Sustainable Development“, hat einen bemerkenswerten gesellschaftlichen Durchmarsch geschafft. Er ist wohl auch deshalb so beliebt, weil jeder sich etwas anderes darunter vorstellen darf. Alle politischen Parteien machen sich den Terminus zu eigen, desgleichen Wirtschaftsunternehmen. Die Pop-Version der Nachhaltigkeit liefert die Formulierung: „Wir haben die Welt nur von unseren Kindern geborgt.“ Motto: Wer sich etwas borgt, sollte es möglichst unverändert zurückgeben. Wobei eine Schwachstelle des Konzepts erkennbar wird: Wer möchte die Welt von vor 150 Jahren schon zurücknehmen? Ohne Antibiotika, Kühlschrank und Internet? Wer möchte einen Zahnarzt des 19.Jahrhunderts aufsuchen?

Dennoch: In der Vorstellung von Nachhaltigkeit steckt das Ausgleichende, das Konsensuale, das Maßvolle und Dauerhafte, das dem deutschen Wesen offenbar besonders entgegenkommt. Und das nicht erst seit heute: „Für augenblicklichen Gewinn verkaufe ich die Zukunft nicht“, wusste schon im 19. Jahrhundert der deutsche Technik-Pionier und Unternehmer Werner von Siemens, ohne dafür eine Ethik-Kommission zu benötigen. In Zeiten, in denen Schulden mit noch mehr Schulden bekämpft werden, erscheint solch kluge Selbstbeschränkung plötzlich wieder sehr modern.

Das Wort „nachhaltende Nutzung“ benutzte der Oberberg-Hauptmann Hans Carl von Carlowitz erstmals 1713 in einem Buch über die Waldwirtschaft. Er meinte damit, dass man nicht mehr Holz einschlagen solle als nachwächst oder aufgeforstet wird. Dies ist – um einem verbreiteten Missverständnis vorzubeugen – kein natürliches, sondern ein unnatürliches Prinzip.

Die Natur selbst versteht übrigens nichts von Nachhaltigkeit. Sie setzt auf ein anderes Erfolgsprinzip: Die Evolution, also die permanente Veränderung. Wald dehnte sich im Verlauf der Erdgeschichte immer wieder aus oder schrumpfte, 98 Prozent aller jemals auf der Erde existenten Arten sind ausgestorben, bevor der Mensch überhaupt auf der Bildfläche erschien. Hätte sich die Natur zu Zeiten der Dinosaurier entschieden, nachhaltig zu sein, dann dominierten heute noch die Dinosaurier den Planeten (und der Mensch hätte nie eine Chance bekommen).

Im ursprünglichen und halbwegs nachvollziehbaren Sinn geht es bei der Nachhaltigkeit schlicht um Bestandswahrung, die nicht nur für den Wald, sondern auch für Naturschutzgebiete oder die Fischbestände der Weltmeere sinnvoll ist. Für Fisch beispielsweise gibt es Zertifikate über „nachhaltige“ Fangmethoden oder Aquakulturen. Sie sind sehr unterschiedlich, aber sicher ein Schritt in die richtige Richtung gegen eine Überfischung der Weltmeere. Wer da im Kühlregal zugreift, liegt nicht falsch.

Konzept für einen fortschrittlichen Naturschutz

Es war auch die Weltnaturschutzorganisation IUCN, die den Begriff der nachhaltigen Entwicklung als Konzept für einen fortschrittlichen Naturschutz adaptierte. Was für das Management von Tierherden oder Regenwald gedacht war, soll aber seit einiger Zeit auch für Autos, Staubsauger oder Computer gelten. Heutzutage soll eigentlich alles nachhaltig sein, vom Aktienfonds über die Müllabfuhr bis zur Urlaubsreise. Und ab da wird es unübersichtlich.

Bei der Antwort auf die Frage, was im nachhaltigen Sinn eine gute Idee ist und was eher Weltanschauung oder Religion, hilft der Gebrauch des eigenen Verstandes und ein Schuss Vernunft. Am meisten über Nachhaltigkeit lehrt immer noch die Praxis. Beispielsweise die der Politik. Während sie den Bürger mit Nachhaltigkeits-Empfehlungen aller Art überschüttet, übt sie selbst auf einem zentralen Feld nachhaltige Entsagung: „In keinem einzigen Staat (der EU) können die öffentlichen Finanzen als nachhaltig bezeichnet werden“, erklärt dazu die Stiftung Marktwirtschaft. Auf die Welt einer Familie heruntergebrochen stellt sich das übliche Finanzgebaren so dar: Die Eltern lassen beim Kaufmann anschreiben und ihre Kinder sollen dafür später bezahlen. Ein verantwortlicher Bürger würde privat nie so verfahren. Und wenn man die Vergemeinschaftung der EU-Schulden betrachtet, muss man das Bild sogar erweitern: Wildfremde andere Personen lassen beim Kaufmann in unserem Namen anschreiben, wofür nicht nur wir, sondern auch unsere Kinder haften. Das ist dann ein progressives Wohlstandsvernichtungsmodell, das man auch als inklusive Ex-Nachhaltigkeit bezeichnen könnte.
Und damit beginnt der praktische Teil für den Hausgebrauch: Der gemeine Bürger, der brav spart und möglicherweise noch ein oder zwei Kinder aufzieht, tut der Gesellschaft in diesem Lande schon mal einen nachhaltigen Gefallen. Er hat den ersten Hauptsatz der Nachhaltigkeits-Lehre bereits instinktiv verinnerlicht, denn er trägt zur nachhaltigen Bestandswahrung bei. Über künftige Generationen muss man sich ja nur dann Gedanken machen, wenn sie auch geboren werden.

Doch das allein reicht nicht. Sie brauchen auch noch eine anständige Ausbildung. Der wichtigste nachwachsende Rohstoff in diesem Lande ist nicht etwa Mais für Biogasanlagen, sondern das Köpfchen unserer Kinder. Womit der zweite Hauptsatz der Nachhaltigkeits-Lehre formuliert wäre. Ein Land, das mehr Wert auf Solarzellen auf dem Schuldach legt als auf die Ausbildung der Kinder darunter, setzt deutlich die falschen Prioritäten. Eltern, die ihren Kindern die Lust am Forschen und Entdecken vermitteln, haben vermutlich nachhaltigere Wirkung als Menschen, die sich auf den Kauf von Fischstäbchen aus nachhaltiger Aquakultur beschränken. Aber man kann ja durchaus beides tun.

Darf man Fisch in Dosen kaufen?

Doch bleiben wir beim Fisch. Darf man den auch in Dosen kaufen? Dosen gelten ja eigentlich als moralisch minderwertig und überhaupt nicht nachhaltig. Dosen sind aus Weißblech oder gar Aluminium und nach verbreiteter Lesart der Inbegriff der Wegwerfgesellschaft. Doch diese Charakterisierung gehört eher in die Abteilung Weltanschauung und Religion als in die der Nachhaltigkeit. Dosen lassen sich nämlich billig herstellen, gut transportieren und auch prima recyclen. Sie sparen viel Energie, weil ihr Inhalt auch ohne Kühlung lange frisch bleibt, so dass sie schon unzählige Menschen in Not gerettet haben. Weil es Dosen gibt, müssen nicht mehr so viele Lebensmittel weggeworfen werden wie früher. Eigentlich müsste man der Dose ein Nachhaltigkeits-Denkmal setzen als eine der großen Erfindungen zum Wohle der Menschheit. Immerhin heißt es im neuen Zivilschutzkonzept des Bundes: „Bürger sollen sich einen Vorrat an Lebensmitteln anlegen.“ Und in einem Bericht der WELT lässt sich nachlesen, dass dazu „Thunfisch, Ölsardinen, Heringsfilets, Kalsbsleberwurst, Corned Beef, Bockwürstchen, Mandarinen und Ananas“ – jeweils in Dosen – gehören. In der Not kommt der Mensch auf die Dose zurück, wenn das keine nachhaltige Ehrenrettung ist.

Nachhaltig ungerecht wie der Ruf der Dose ist auch der von Obst und Gemüse aus Übersee. Doch auch hier regelt das nähere der Einzelfall. Erstens kommen Bananen oder Kiwis normalerweise mit dem Schiff, so dass der Transport kaum in die Waagschale fällt. Und zweitens empfiehlt sich für verantwortungsbewusste Menschen mitunter der Perspektivwechsel. Landwirtschaftliche Produkte sind oft das einzige, was Entwicklungsländer exportieren können. Wer sie kauft, leistet die nachhaltigste Form von Entwicklungshilfe, weil er den Menschen dort ermöglicht, sich ihren eigenen Lebensunterhalt zu verdienen. Das gleiche gilt übrigens für viele Formen des Fern-Tourismus: Ohne reiche Touristengruppen hätten die Berggorillas im kongolesischen Virunga-Nationalpark beispielsweise niemals überlebt.
Es spricht ja gar nichts dagegen, die bäuerliche Landwirtschaft in Deutschland durch den Bezug regionaler Produkte oder Ferien auf dem Bauernhof zu unterstützen. Auch das lässt sich unter dem weiten Begriff Nachhaltigkeit fassen. Nur sollte man kein ideologisches Prinzip daraus machen. Vieles Vernünftige hat sich ja auch ganz ohne Ideologie durchgesetzt: Das Fahrrad beispielsweise erlebte eine Renaissance, sicherlich auch weil es Spaß macht und zur Fitness-Welle passt. Solange keine wild gewordene Horde Mountain-Biker durchs Unterholz bricht und die Tierwelt verschreckt, ist der Begriff nachhaltig in diesem Zusammenhang sicher kein Etikettenschwindel.

Ein bisschen hapert es mit der Logik

Auf anderen Gebieten hapert es etwas mit der Logik: Beispielsweise beim Wassersparen, dem sich die Bundesbürger mit geradezu religiösem Eifer verschrieben haben. Wassersparen ist uns in Fleisch und Blut übergegangen, sogar unseren Kindern haben wir es eingebläut. Aber es gibt ein Problem: Die Kanalisation funktioniert vielfach nicht mehr, weil alle versuchen, Wasser zu sparen. Dabei besteht dazu gar keine Notwendigkeit, denn Deutschland ist eines der glücklichen Länder, die Wasser im Überfluss haben. Nur ein kleiner Bruchteil des zur Verfügung stehenden Reservoirs wird überhaupt genutzt. „Eine politisch geforderte weitere Reduzierung des Wasserverbrauchs ist nicht sinnvoll“, heißt es beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft.

Wer im Sinne der Nachhaltigkeit Wasser sparen möchte, kann dies beispielsweise im Spanien-Urlaub tun. Zu den großen Agrar-Regionen und den Ferien-Urbanisierungen am Mittelmeer wird das knappe Wasser oft über hunderte von Kilometer langen Rohrleitungen aus Flüssen und Talsperren im Landesinneren herangeschafft, wodurch es dort zu großen ökologischen Problemen kommt.
Grundsätzlicher Tipp: Meiden Sie Ablasszahlungen und verlegen sich auf Verhaltensweisen, die ohnehin vernünftig sind. Was man nicht versteht, sollte man getrost auch sein lassen. So soll dank einer Probe-Bahncard 25 die Fahrt beispielsweise „CO2-frei und klimaneutral mit 100 Prozent Ökostrom“ sein. Doch warum fahren die anderen, die nur eine normale Fahrkarte besitzen, nicht klimaneutral? Wir sitzen doch im gleichen Zug? Wie soll denn das gehen?

Nachhaltigkeit, der Darling des industriell-ökologischen Komplexes

Schlichte Gemüter fragen sich ja schon lange, wie es möglich ist, dass in Deutschland aus der gleichen Steckdose, aus der vorher Atomstrom kam, nach einem Wechsel zum Ökoanbieter plötzlich Windpower quillt. Immer mehr Menschen legen Wert auf das Etikett Ökostrom. Dahinter verbirgt sich eine Welt voller gedanklicher Wunder: So gibt es eine wunderbare Tauschbörse namens „Renewable Energy Certificate System“ (RECS). Ein Windradbetreiber deklariert seinen Strom dabei als konventionellen Strom. Ein Atomkraftwerksbetreiber bezahlt ihm dafür einen Aufpreis – und darf die gleiche Menge Atomstrom umgekehrt als Ökostrom etikettieren. Mit Nachhaltigkeit hat das alles nicht mehr viel zu tun, stattdessen mit einem industriell-ökologischen Komplex der mit Subventionen und dank absurder Vorschriften Milliarden-Umsätze macht.

Diejenigen, die stets dem neusten Nachhaltigkeits-Schrei nachlaufen, meinen es sicherlich gut, sitzen aber häufig reiner Symbolpolitik auf. Wirklich ökologisch lebt laut Institut für Demokratieforschung übrigens das sogenannte „traditionsverwurzelte Milieu“. So bezeichnen Sozialwissenschaftler die Leute, die man gemeinhin „Spießer“ nennt. Es sind in der Regel ältere Menschen, die durch ihre Sparsamkeit und ihren Widerwillen gegen das Wegwerfen überaus umweltschonend handeln. Es würde ihnen beispielsweise niemals in den Sinn kommen, bei Zalando 20 Klamotten zum Anprobieren zu ordern – nur um sie dann allesamt zurückzuschicken. Manche Dinge sind eben doch ganz einfach.

Quelle: Achse des guten

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